Ökumene-Experte hofft auf Fortschritte in Ämter-Frage der Kirchen

Nachricht 15. April 2009

Wolfenbüttel/Hannover (epd). Der lutherische Ökumene-Experte, Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), hat seine Hoffnung auf Fortschritte in der umstrittenen Frage um das kirchliche Amt geäußert. Mit der Veröffentlichung der Studie "Die Apostolizität der Kirche" könnten nochmals neue Perspektiven für die schwierige Debatte eröffnet werden, erklärte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) am Dienstag in Hannover.

"Insgesamt hoffe ich, dass die neue Studie weltweit intensiv studiert, aber auch rezipiert wird und so die ökumenische Sache voranbringen wird", erklärte Weber. Mit der Publikation von "Die Apostolizität der Kirche" durch die Verlage Otto Lembeck (evangelisch) und Bonifatius (katholisch) sei nun endlich auch der deutsche Text dieser wichtigen Studie zugänglich.

Mit dem Dokument beendete die Lutherisch/Römisch-katholische Kommission für die Einheit die vierte Phase (1995 bis 2006) des lutherisch-katholischen Dialogs auf Weltebene, so der Theologe. Der Lutherische Weltbund (LWB) und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen hatten die Kommission beauftragt. Das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes will nun eine Stellungnahme erarbeiten.

In den vergangenen Jahren sind einige wegweisende Studien von namhaften katholischen und protestantischen Experten und Ökumene-Kommissionen erschienen, die ein neues Licht auf die Ämter in den Kirchen werfen. Es geht um die Autorität von Priestern, Pfarrern und Bischöfen. Das gilt als das ökumenische Problem schlechthin, ohne dessen Lösung auch kein gemeinsames Abendmahl zwischen Katholiken und Protestanten möglich ist.

Ökumene-Experten haben sich zuversichtlich geäußert, dass langjährig festgefahrene Positionen sich langsam zu bewegen beginnen. Die VELKD ist ein Zusammenschluss von acht Landeskirchen und repräsentiert rund zehn Millionen Gemeindemitglieder.

Buchhinweis: "Die Apostolizität der Kirche: Studiendokument der Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit"; Verlage Bonifatius und Lembeck, broschiert, 218 Seiten, 24,90 Euro.
Direkt bestellen: www.bibli.com

epd bas/lnb mil / 14.4.2009
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen


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Stichwort: Apostolizität der Kirche

Hannover (epd). Die Lehre der heutigen Kirche stimmt mit den Grundaussagen der biblischen Apostel vor rund 2000 Jahren überein. Das ist mit dem Begriff "Apostolizität der Kirche" gemeint. Was Menschen des 21. Jahrhunderts mit der frühen Christenheit verbindet, wird allerdings in den Konfessionen verschieden ausgelegt. In der Ökumene ist die abstrakte theologische Formel daher seit Jahrzehnten Auslöser kontroverser Debatten und Grund für Abgrenzungen.

Für die römisch-katholische Kirche ist Apostolizität vor allem durch die Amtsnachfolge gewährleistet, die von den Bischöfen auf die Apostel und damit letztlich auf Jesus Christus zurückreichen soll. Für Protestanten ist die Verbindung mit den frühen Christen gewährt, wenn Gottes Wort gemäß der apostolischen Botschaft in der Kirche lebendig ist. Orthodoxe Christen verstehen Apostolizität vor allem als Kontinuität der kirchlichen Tradition seit den Anfängen der Kirche.

In der Ökumene umstritten ist zum Beispiel das Verhältnis zwischen kirchlichen Traditionen und biblischer Autorität. Uneins sind sich Protestanten und Katholiken vor allem über den Status der Geistlichen (Amtsbegriff) in der jeweiligen Kirche. Stichworte sind evangelische Ordination und katholisches Weihesakrament - Rom erkennt aufgrund der Unterschiede evangelische Ämter nicht an. Eine Einigung hier könnte ein wichtiger Schritt unter anderem auf dem Weg zum gemeinsamen Abendmahl sein, allerdings gibt es aktuell kaum Bewegung.

Studien wie das jetzt auf Deutsch erschienene Buch "Die Apostolizität der Kirche" (Verlage Bonifatius und Lembeck) dokumentieren den Dialog zwischen führenden katholischen und lutherischen Theologen auf Weltebene. Auftraggeber waren der Lutherische Weltbund und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen.

Konkrete Beschlüsse für mehr Einheit zwischen den Kirchen können nur von den Leitungen der jeweiligen Kirchen ausgehen. Der zukünftige Dialog zwischen den Kirchen muss sich Fachleuten zufolge wohl darauf konzentrieren, wie die "Apostolische Sukzession" - also wie die heutigen Kirchen in der 2000-jährigen Tradition mit den ersten Christen stehen - zu verstehen ist. Ob dies wie in der katholischen Kirche Geistlichen und Bischöfen vorbehalten ist, oder ob wie bei den Protestanten auch die Gemeinde daran teilhat, muss geklärt werden.


epd bas/lnb mil / 14.4.2009
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