Osterpredigten: Mut in der Wirtschaftskrise

Nachricht 12. April 2009

Berlin (idea) – Zur Zuversicht inmitten der Wirtschaftskrise ermuntern evangelische Kirchenleiter in ihren Osterpredigten. Lähmende Angst sei die größte Gefahr, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), im Berliner Dom. Er verwies auf den „Geist von Ostern“. Auferstehung sei ein „Fest der Verwandlung“.



Eine christliche Lebenshaltung sei davon geprägt, „dass die Hoffnung stärker ist als die Angst“. Glaube, Hoffnung und Liebe sei die Summe der christlichen Existenz: „Wer glaubt, lässt sich von Zuversicht bestimmen; wer hofft, überlässt der Sorge nicht das letzte Wort; wer liebt, gibt keinen Menschen auf.“ Huber warnte davor, immer nur wenige Einzelne für die krisenhafte Entwicklung verantwortlich zu machen. Andere nicht zu Sündenböcken zu machen, sondern auch die eigenen Fehler einzuräumen, gehöre zu einer christlichen Lebenshaltung. Der Bischof stellt einen Mentalitätswandel fest: Viele Menschen sehnten sich nach einem Wandel der Werte und fragten nach nachhaltigen Lebensformen und Formen wirtschaftlichen Handelns.



Den Mut nicht verlieren

Auch der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack (Magdeburg), rief dazu auf, angesichts der Wirtschaftskrise nicht den Mut zu verlieren. Gerade jene, die sich nicht von Befürchtungen lähmen ließen, suchten am ehesten konstruktiv nach Wegen aus der Krise. Wie Noack hob auch der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig (Dessau) die Bedeutung österlicher Zuversicht hervor. Gleichzeitig kritisierte Liebig manche Wirtschaftsführer, die sich wie „die Herren des Universums“ gefühlt hätten, weil sie Millionenbeträge rund um den Globus verschieben konnten. Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung hätten dabei keine Rolle gespielt.



Jepsen: Glück kann man nicht kaufen

Die Bischöfin für Hamburg und Lübeck, Maria Jepsen, warnte in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis (Michel) vor dem Trugschluss, Glück könne man sich kaufen. Schon wieder werde verstärktes Kaufen empfohlen, um Wachstum zu garantieren: „Als könnten wir nur glücklich sein, wenn wir uns dem ‚Immer mehr’ und ‚Immer größer’ verschreiben!“ Wer Geld, Arbeitsplatz und Vertrauen verloren habe, dem nützten Aufrufe zum Konsum nichts. Helfen könne, „dass wir uns Gott hingeben und auf seine Worte und Wundertaten einlassen“.



Widerstand gegen Gewaltkultur

Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart) sagte in Ulm, das Osterevangelium wolle einen „langen Atem“ schenken. Dieser sei nötig, um Widerstand gegen Tod, Krieg, Terror, Ungerechtigkeit und soziale Ausgrenzung zu leisten. Das gelte auch für den Widerstand gegen eine „visuelle Gewaltkultur“ in von Jugendlichen bevorzugten Medien.



Über das leere Grab hinausschauen

Der badische Landesbischof Ulrich Fischer (Karlsruhe) mahnte in seiner Osterpredigt in Karlsruhe, über das leere Grab hinauszuschauen, das als historisches Faktum kaum zu bestreiten sei. Jesus sei aber nicht in einem Grab zu finden; es gelte vielmehr zu entdecken, wie er sich im eigenen Leben offenbare. Mit seinem Beistand seien auch schwierige Situationen besser zu überstehen: Depressionen, Trauer und Schuld, aber auch der Verlust des Arbeitsplatzes.



Für verfolgte Christen einstehen

Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel) mahnte in seinem Ostergruß an die Gemeinden, besonders für verfolgte Christen einzustehen. Im Iran und im Irak würden sie um ihres Glauben willen gequält und gedemütigt. Gleichzeitig mahnte der Landesbischof, die Sterbenden nicht auszugrenzen. Das Sterben dürfe „nicht in die Hände derer gegeben werden, die es aktiv beenden wollen“.





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12.4.2009