EKD-Institut untersucht Armut auf dem Lande in Niedersachsen

Nachricht 10. April 2009

Hannover/Emden (epd). Die Armut auf dem Lande in Niedersachsen steht im Fokus einer Untersuchung des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ab der kommenden Woche sollen Menschen in der ostfriesischen Region Krummhörn, den evangelischen Kirchenkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg, dem Landkreis Cuxhaven und dem Nienburger Land zu ihrer persönlichen Lebenssituation befragt werden, sagte die Projektleiterin und Diakoniewissenschaftlerin Marlis Winkler (Hannover) am Mittwoch dem epd. Die ersten Gespräche sollen nach Ostern in Emden geführt werden.

Die meisten Armutsberichte legten ihren Schwerpunkt auf die Einkommen der Menschen, kritisierte Winkler. "Armut ist aber von mehreren Faktoren abhängig." Ebenso wichtig sei die Frage, ob die Menschen in der Dorfgemeinschaft integriert sind und an den üblichen Gebräuchen teilhaben. Dazu gehörten etwa Feste oder gegenseitige Nachbarschaftsbesuche mit entsprechender Bewirtung der Gäste.

Eine weiterer Punkt sei die Chance zur Selbstverwirklichung. In Regionen mit einem schlechten öffentlichen Nahverkehr könnten Menschen ohne eigenes Auto beispielsweise nicht zu einem Theaterbesuch in die Stadt fahren. Für Kinder in armen Familien fehle das Geld für Schulbücher oder Klassenfahrten.

Armut werde immer nur subjektiv erlebt, sagte Winkler: "Arm sind immer nur die anderen." Gerade ältere Menschen hätten sich mit ihren beschränkten Mitteln eingerichtet. Sie könnten ihre Armut auch am besten verstecken. Mit Unterstützung der Pastoren vor Ort wolle sie mit diesen Menschen ins Gespräch kommen, erläuterte die Expertin.

Ein Ziel des Forschungsprojekts sei die Entwicklung von Ideen und Konzepten, mit denen Kirche und Diakonie die Menschen besser unterstützen kann. "Wir wollen nicht in der Theorie steckenbleiben sondern zum Handeln kommen", betonte Winkler. Der Einsatz für gerechte Teilhabe und den Erhalt der Lebensqualität gehöre zum kirchlich-diakonischen Auftrag.

Marlis Winkler (47) ist Sozialarbeiterin und Diakoniewissenschaftlerin. Ihre Diplomarbeit schloss sie im vergangenen Jahr mit dem Titel "Menschen in Armut in der Kirchengemeinde - Perspektiven für eine Teilhabe am Beispiel des Projektes 'Gemeinsam gewinnen'" ab. Bis zum Februar war sie als Referentin für Sozial-, Schuldner- sowie Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung im Diakonischen Werk der hannoverschen Landeskirche tätig. Von 1987 bis 2000 leitete sie das Diakonische Werk Harlingerland in Ostfriesland.

Internet: www.si-ekd.de


epd-lnb jön mir / 8.4.2009
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