Von der Leyen: Kliniken sollen familienfreundliche Arbeitsplätze schaffen

Nachricht 26. Februar 2009


Hannover (epd). Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat an die
Krankenhäuser appelliert, familienfreundliche Arbeitsplätze zu schaffen. "Wenn sie
klug sind, werden die Kliniken Modelle der Kinderbetreuung ausarbeiten, dann haben
sie im Wettbewerb um Fachkräfte die Nase vorn", sagte sie am Donnerstag beim
Kongress "Kliniken im Umbruch" in Hannover vor rund 350 Personalmanagern aus
Krankenhäusern: "Wir müssen Kinder mitdenken im Arbeitsalltag."

In der Debatte um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stelle der Medizinsektor
mit seinen Schicht-, Nacht- und Wochenenddiensten ein besonderes Problem dar, sagte
die Ministerin, die selbst Ärztin und Mutter von sieben Kindern ist. Bei den Frauen
mit Kindern in Führungspositionen bilde Deutschland in Europa das Schlusslicht.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann räumte ein, dass die kirchlichen
Krankenhäuser auf diese Entwicklung nur zögerlich reagierten. Hier habe lange Zeit
ein traditionelles Familienbild vorgeherrscht, das als christlich ausgegeben worden
sei. "Ich wünsche mir, dass der Veränderungsprozess schneller geht", sagte sie. Die
Zeiten, in denen Frauen am Arbeitsplatz schamhaft eingestehen mussten, dass sie ein
Kind erwarteten, seien glücklicherweise vorbei, so die evangelische Bischöfin.

Von der Leyen rechnete vor, dass leitende Medizinerinnen häufig kinderlos seien.
Andererseits zögen sich zahlreiche junge, gut ausgebildete Ärztinnen aus dem
Berufsleben zurück, wenn sie ein Kind bekommen hätten. "Das ist ein gigantischer
Verlust an Qualifikation, an Erfahrungen und Möglichkeiten, den dieses Land sich
leistet", sagte sie. Zudem liebäugelten viele junge Mediziner mit einer Arbeit im
Ausland, vor allem in Skandinavien, wo Beruf und Familie leichter miteinander zu
verbinden seien.

"Die meisten jungen Ärzte sind bereit, viel zu arbeiten, weil sie Freude an ihrem
Beruf haben, aber nicht um jeden Preis", sagte die Ministerin. Wenn sich Kliniken
auf den Standpunkt stellten, dass es nicht nötig sei, Beruf und Familie zu
vereinbaren, dann würden diese Arbeitsplätze früher oder später verschwinden, weil
sie keiner haben wolle. Die Kliniken hätten aber jetzt die Chance umzusteuern. Dies
müsse für alle Beschäftigten im Krankenhaus gelten, nicht nur für Ärzte.

Bischöfin Käßmann sagte, es habe lange gedauert, bis die kirchlichen Kindergärten
bereit gewesen seien, Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren einzurichten. Doch
nun gerieten sie unter wirtschaftlichen Druck, denn die Eltern wollten nach dem
Krippenalter keine neue Tagesstätte für ihr Kind suchen: "Wenn die kirchlichen
Kindergärten sich hier nicht bewegen, fallen sie aus einem Markt heraus."


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26.2.2009
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