Eduard Lohse: Ein Vermittler wird 85 Jahre alt

Nachricht 13. Februar 2009

Als Bischof und Professor im Dienst der Bibel

Göttingen/Loccum (epd). Als theologischer Wissenschaftler hat er sich ebenso Respekt erworben wie als Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Der frühere hannoversche Landesbischof Professor Eduard Lohse aus Göttingen wird am 19. Februar 85 Jahre alt. 17 Jahre lang, von 1971 bis 1988, stand er an der Spitze der größten deutschen Landeskirche, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Zwischen 1979 und 1985 repräsentierte er als EKD-Ratsvorsitzender den deutschen Protestantismus. "Geduld und Gelassenheit", so eine Würdigung im "Rheinischen Merkur", prägten sein Wirken auch in weiteren Ämtern.



Der gebürtige Hamburger scheute trotz hanseatischer Zurückhaltung nie die klare Meinungsäußerung, etwa als er sich für die umstrittenen Ostverträge mit der DDR aussprach. Eingeprägt hat er sich jedoch als Vermittler, der unterschiedliche Positionen in der Kirche zusammenbringen konnte. Er versammelte die Gemeinden aus dem weiten Raum zwischen Ostfriesland und Göttingen 1978 zu einem "Tag der Landeskirche", an dem sich zu seiner Freude alle kirchenpolitischen Richtungen beteiligten.



Als der Deutsche Evangelische Kirchentag 1983 nach Hannover kam, war das Christentreffen geprägt vom Widerstand gegen die "Nachrüstung" im Kalten Krieg. Lohse vertrat eine andere Meinung. Aber zu diesem Kirchentag, der ihm zu politisch war, fiel ihm auch Positives ein: "Zum ersten Mal haben wir den Abschlussgottesdienst als Abendmahlsgottesdienst gefeiert", sagte er.



Seine wissenschaftliche Laufbahn begann der Sohn eines Studienrats unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er als Schnellboot-Kommandant bei der Marine gedient hatte. Bereits 1949 promovierte er in Göttingen. Professor für das Fach Neues Testament wurde er zunächst in Kiel, seit 1964 in Göttingen.



Als die hannoversche Landessynode Lohse 1970 zum Nachfolger von Bischof Hanns Lilje wählte, war er Rektor der Georg-August-Universität in Göttingen und steuerte sie durch die politischen Umbrüche dieser Zeit. Als Bischof und bis zum Jahr 2000 als Abt zu Loccum hielt er weiter den Kontakt zur Theologie. Der Bischof weckte Erstaunen, als er sich für ein Studienhalbjahr in die USA zurückzog. In seine Zeit als Vorsitzender der Deutschen Bibelgesellschaft fiel die Modernisierung der Lutherbibel, für Lohse eines der wichtigsten Ereignisse seiner Amtszeit.



1988 wählte ihn der Weltbund der Bibelgesellschaften zu seinem Präsidenten. Die päpstliche Universität Gregoriana in Rom lud den evangelischen Theologen zu Gastvorlesungen ein. Mehrere Universitäten des In- und Auslands haben den Neutestamentler mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Zuletzt erschien im vergangenen Jahr sein Buch über das Urchristentum.



2007 wurde Lohse für sein "einzigartiges wissenschaftliches Werk" mit dem Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen geehrt. Redner hoben dabei seine Impulse für ein neues Verhältnis zwischen Christen und Juden hervor. Das Preisgeld von 40.000 Euro stellte Lohse als Grundstock für den neuen Studienpreis des Klosters Loccum zur Verfügung, in dessen Konvent er weiter mitarbeitet. Der Preis soll den theologischen Nachwuchs fördern.



Wichtig ist Lohse die Gemeinschaft der Kirchen in der Ökumene. Gemeinsam mit dem Mainzer Bischof Karl Lehmann war er Vorsitzender des Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen und setzte sich auch für die Lehrgespräche zwischen Katholiken und Lutheranern ein. Wichtig ist ihm auch seine Familie: seine Frau Roswitha, mit der er seit 1952 verheiratet ist, und seine drei Kinder und sechs Enkel.





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12.2.2009

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