Kultusministerin für mehr Bildung in Kindergärten

Nachricht 13. Februar 2009

Hannover (epd). Die niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) hat für mehr Bildung in den Kindergärten plädiert. Nur so könnten Kinder unterschiedlicher Herkunft gleiche Startchancen für den Schulbeginn erhalten, sagte sie am Donnerstag bei Europas größter Bildungsmesse "Didacta" in Hannover: "Wir müssen mit den Kleinsten so früh wie möglich beginnen, dann sind die Bildungsbiografien wesentlich unabhängiger von der sozialen Herkunft." Wenn die Kinder erst in der Schule seien, sei es vielfach schon zu spät. Niedersachsen baue deshalb unter anderem die Bildungsangebote für Kinder unter drei Jahren aus, erläuterte die Ministerin bei einer Podiumsdiskussion der Kirchen zum Thema Bildungsgerechtigkeit.

Der braunschweigische evangelische Landesbischof Friedrich Weber forderte eine bessere Bezahlung von Lehrern und Erzieherinnen. Wenn insbesondere in den Kindergärten mehr Qualität erwartet werde, habe das auch seinen Preis, sagte er. Weber begrüßte es, dass die Grundschulen zunehmend enger mit den Kindergärten zusammenarbeiteten. So gebe es in Braunschweig etwa "Lesepartner" aus der dritten Klasse, die in einen befreundeten Kindergarten gingen und den Jungen und Mädchen dort etwas vorläsen. Umgekehrt kämen die Kindergarten-Kinder zu Besuch in die Grundschule.

In den kirchlichen Kindergärten in Niedersachsen stammten bis zu 50 Prozent der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, erläuterte der Bischof. Weber ist auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Jeder zweite Kindergarten in Niedersachsen werde von der evangelischen oder der katholischen Kirche getragen, sagte er.

Der Hildesheimer katholische Weihbischof Hans-Georg Koitz sprach sich dafür aus, Schüler aus Familien mit sozialen Schwierigkeiten gezielter zu unterstützen, etwa durch Ganztagsschulen oder Hausaufgabenbetreuung. Dafür müssten die Schulen personell besser ausgestattet werden, etwa durch Schulpädagogen: "Wir dürfen uns niemals damit abfinden, dass ein Kind nicht lesen, schreiben oder rechnen kann."

Der Oldenburger Schulpädagogik-Professor Hilbert Meyer rief den Staat dazu auf, mehr für Hauptschul-Lehrer zu tun. "Die haben einen Knochenjob", sagte er: "Da muss mehr Geld investiert werden, mehr Liebe und mehr Zeit." Während es an Sonderschulen und Gymnasien bereits zahlreiche anregende Lernkonzepte gebe, hätten die Hauptschulen dabei Nachholbedarf. Meyer forderte zudem die evangelische Kirche auf, gezielt private Schulen an sozialen Brennpunkten zu gründen: "Grundschulen und Gymnasien reichen nicht."


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12.2.2009
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