Armutskonferenz für Ostfriesland geplant

Nachricht 30. Januar 2009

Warsingsfehn/Leer (epd). Experten von Schule, Politik, sozialen Einrichtungen und den evangelischen Kirchen wollen eine "Armutskonferenz Ostfriesland" ins Leben rufen. Die zahlreichen Initiativen und Hilfsangebote seien bislang weder vernetzt, noch gebe es eine fundierte Übersicht über die tatsächlich vorhandene Armut in der Region, sagte die Leiterin der Arbeitsstelle Religionspädagogik Ostfriesland mit Sitz in Aurich (ARO), Ute Beyer-Henneberger, am Donnerstagabend beim ersten Runden Tisch zu Armut und Bildungschancen in Warsingsfehn bei Leer. Zu dem Treffen hatte die von der evangelisch-lutherischen und der reformierten Kirche getragenen ARO eingeladen.

Der evangelisch-lutherische Superintendent Burghard Klemenz (Leer), kritisierte die Sozialpolitik der vergangenen 15 Jahre. In dieser Zeit seien die staatlichen Hilfsleistungen immer weiter reduziert worden. Gleichzeitig seien die Kosten für die notwendigen sozialen Reparaturbetriebe, wie etwa Jugendwerkstätten, enorm gestiegen. Dieses Geld müsse direkt in den Familien investiert werden. Kostenfreie Krippen- und Kindergartenplätze sowie Ganztagsschulen könnten ein erster Schritt sein, damit Kinder erst gar nicht in die Spirale von mangelnder Bildung und wachsender Armut gerieten.

Der Leiter der Beschäftigungsgesellschaft "NEUE ARBEIT gGmbH" der reformierten Kirche, Alf Wehmhörner, forderte die Politik auf, Armut als Problem endlich wahrzunehmen. Derzeit werde Armut individualisiert. Trotz Massenarbeitslosigkeit in der strukturschwachen Region fühlten sich die Betroffenen für ihre Arbeitslosigkeit selbst verantwortlich und fürchteten sich vor Diskriminierung. "Viele Eltern melden ihre Kinder krank, weil sie sich schämen, die Klassenfahrt nicht zahlen zu können."

Nach Ansicht des Sozial- und Pädagogikwissenschaftlers Professor Carsten Müller von der Fachhochschule Emden ist Armut sogar politisch gewollt: "Armen Menschen droht der Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben." Diese Perspektive verunsichere und ängstige auch Menschen mit Beschäftigung so sehr, dass sie sich ruhig verhielten, um nur nicht aufzufallen. Besonders deutlich werde dies beim Krankenstand. Je höher die Arbeitslosenquote steige, desto geringer werde der Krankenstand in den Betrieben.

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epd-lnb jön mir / 30.1.2009
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