Landesbischöfin: "Kirchen sollen Mitverantwortung für Gesellschaft übernehmen"

Nachricht 29. Januar 2009

Hannover (epd). Die Kirchen sollten die westliche Gesellschaft nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann bei einer notwendigen Neubesinnung auf ihre Werte und Normen unterstützen. "Mir liegt daran, dass unsere Kirche sich nicht in die fromme Ecke verkriecht, sondern Mitverantwortung für unser Land übernimmt", sagte die evangelische Theologin am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang der IBM Niederlassung in Hannover einem vorab verbreiteten Manuskript zufolge. Deshalb sei es eine Aufgabe der Kirchen, Menschen zu stärken, die in Familien, Unternehmen, Politik oder Schulen Verantwortung trügen.



Die evangelische Kirche schätze so genannte Leistungsträger, sagte Käßmann weiter. "Wir brauchen sie, damit andere Menschen abgesichert werden in den großen Krisen ihres Lebens, wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Verlust des Partners." Das Arbeitsfeld Kirche sei dafür ein gutes Beispiel. Hier erwirtschafteten weniger als 20 Prozent der Mitglieder mehr als 80 Prozent der Einnahmen. Senioren, Kinder, Obachlose oder Behinderte, um die sich die Kirchen besonders kümmerten, könnten dagegen kaum einen Beitrag zum Kirchensteuereinkommen leisten.



"In unserer Gesellschaft ist es wichtig, Gemeinschaft und Füreinander-Einstehen als positiven Wert zu sehen, statt mit einer 'Reichensteuer' als Slogan in den Wahlkampf zu ziehen", sagte Käßmann. Der Grundwert der Nächstenliebe, wie er in den biblischen Zehn Geboten festgeschrieben sei, müsse im Umgang der Menschen miteinander wieder deutlicher werden. Dazu gehöre auch eine grundsätzliche soziale Absicherung der Schwachen im Land.



Die Kirche mache sich für ein Konzept von Gemeinschaft stark. Die Verantwortung des Einzelgewissens sei dabei wichtig: "Individualität aber, die totale Vereinzelung bedeutet und nur noch sich selbst sieht, ist eine Zerstörung des Gewebes, das eine Gesellschaft zusammenhält." Deshalb hielten die Kirchen an dem Konzept einer sozialen und politischen Gerechtigkeit fest, das sowohl im eigenen Land als auch in der gesamten Welt gelten solle, sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland.





epd-lnb mil mir / 29.1.2009

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