Durch Bildung Armut überwinden

Nachricht 20. Januar 2009

Hildesheim (epd). Bildung ist nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann der Schlüssel, um Armut zu überwinden. Dies gelte sowohl in Deutschland als auch weltweit, sagte Käßmann am Dienstagabend in der Universität Hildesheim: "Bildung bedeutet immer auch Friedenserziehung, Horizonterweiterung, Überwindung von Feindbildern und Übernahme von Verantwortung." In Deutschland sei inzwischen jedes sechste Kind auf Sozialhilfe angewiesen, 1965 habe dies nur für jedes 75. Kind gegolten.

Seit Einführung des Arbeitslosengeldes II habe sich die Zahl der Kinder, die von Sozialhilfe oder Sozialgeld leben müssten, auf mehr als 2,5 Millionen verdoppelt. "Ein Kind aus schwierigen sozialen Verhältnissen wird in der Regel keinen oder keinen guten Schulabschluss machen und befindet sich in einer Spirale der Hilflosigkeit", sagte Käßmann ihrem vorab veröffentlichten Manuskript zufolge. Untersuchungen zeigten, dass sozial benachteiligte Kinder sich ungesünder ernährten und sich weniger bewegten. Sie blieben in isolierten Wohnvierteln häufiger unter sich, besuchten keine weiterführenden Schulen und hätten deshalb nur mangelhafte Ausbildungschancen.

Der Kirche liege daran, das Bewusstsein für die Armut und Ausgrenzung von Kindern zu stärken: "Kinderarmut ist eine Herausforderung für uns alle gemeinsam", sagte Käßmann. Die hannoversche Landeskirche habe deshalb im vergangenen Jahr eine Million Euro investiert, um mit dem Projekt "Zukunft(s)gestalten" Initiativen vor Ort zu unterstützen.

Darüber hinaus gebe es viele Forderungen an die Politik. So müssten zum Beispiel Kindertagesstätten zu Familienzentren mit Beratungsangeboten für Eltern umgebaut und genügend Krippenplätze geschaffen werden. Außerdem sei ein flächendeckendes Netz von Ganztagsschulen nötig, mit einem kostenlosen Mittagessen für alle und einer pädagogisch verantwortbaren Nachmittagsbetreuung. Kinder mit Migrationshintergrund sollten besonders gefördert werden, forderte Käßmann: "Bildung ist ein entscheidendes Element der Gerechtigkeit."


epd-lnb mil mir / 20.01.2009
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