Gemeinde weiht Deutschlands größtes liberales jüdisches Zentrum ein

Nachricht 19. Januar 2009

Hannover (epd). Deutschlands größtes liberales jüdisches Gemeindezentrum wird an diesem Sonntag in Hannover eingeweiht. Das Gebäude war in den vergangenen beiden Jahren für rund 3,2 Millionen Euro von einer ausgedienten evangelischen Kirche zum jüdischen Gotteshaus umgebaut worden. "Wir wollen ein offenes Haus sein, kein Closed-Shop für Juden", sagte die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, Ingrid Wettberg, am Montag dem epd.

Zur Einweihung der Synagoge "Etz Chaim" (Baum des Lebens) am 25. Januar werden 550 Gäste erwartet, unter ihnen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann, der katholische Bischof Norbert Trelle sowie die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Zugleich führt die Gemeinde ihren neuen Rabbiner Gabor Lengyel in sein Amt ein.

Es ist das zweite Mal in Deutschland, dass eine Kirche zur Synagoge wurde. In Bielefeld hatten Kirchenmitglieder 2007 drei Monate lang die Paul-Gerhardt-Kirche besetzt, um gegen den Verkauf des Gebäudes zu protestieren. Dort wurde im September 2008 eine Synagoge eingeweiht. In Hannover hätten sich dagegen Christen aus der Nachbarschaft bei einem "Tag der offenen Tür" positiv über den Umbau geäußert, sagte Wettberg. Die evangelische Kirche ist froh, dass eine gottesdienstliche Nachnutzung für die modern gestaltete ehemalige Gustav-Adolf-Kirche aus dem Jahr 1965 gefunden wurde.

Das Land Niedersachsen beteiligte sich mit einer Million Euro an dem Umbau. Die Stadt und die Region Hannover gaben jeweils 500.000 Euro. Den Rest bringt die Gemeinde durch Spenden und Kredite selbst auf. Zu dem Zentrum gehören auch eine öffentliche jüdische Bibliothek, eine Beratungsstelle für Zuwanderer, ein Jugendraum, Büros, ein Café und ein Kindergarten mit 25 Jungen und Mädchen. Auch der liberal ausgerichtete Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen mit zurzeit sieben Gemeinden soll hier seinen Sitz haben.

"Die Mitglieder sollen sich hier geborgen fühlen wie unter einem großen Baum", sagte die Vorsitzende in Anspielung auf den Namen des Zentrums. Der "Baum des Lebens" mit seinen vielen Zweigen stehe symbolisch für die Gemeinde mit ihren derzeit mehr als 600 Mitgliedern aus 14 Nationen. Die Gemeinde war 1995 mit 79 Mitgliedern aus der orthodox ausgerichteten Jüdischen Gemeinde Hannover heraus gegründet worden. Sie wuchs vor allem durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion.

Internet: www.ljgh.de


epd-lnb mig mil / 19.01.2009
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