Friedrich Christian Delius erhält den Evangelischen Buchpreis 2009

Nachricht 12. Januar 2009

Mit dem Evangelischen Buchpreis 2009 wird der in Berlin und Rom lebende Schriftsteller Friedrich Christian Delius für seine Erzählung „Bildnis der Mutter als junge Frau“ (Berlin: Rowohlt 2006) ausgezeichnet.

In der Begründung der Jury heißt es: „Ein Spaziergang durch Rom, 1943. Die Spaziergängerin ist eine hochschwangere Deutsche, 21 Jahre alt, erst wenige Monate verheiratet. Ihr Mann ist überraschend nach Nordafrika abkommandiert worden, so dass sie allein in der Obhut der Kaiserswerther Diakonissen zurückbleiben musste. Jetzt geht sie – Schritt für Schritt die Ereignisse resümierend, Ausblicke in die Zukunft wagend, über ihre Liebe, ihre Ehe, ihren Glauben nachdenkend vom Diakonissenheim zur evangelischen Kirche in der Via Sicilia. Dort erwartet sie ein Konzert.

Der Autor folgt ihr, ist ihr ganz nah, notiert ihre Gedanken, kennt ihre Ängste, ihre Vermutungen. Obwohl er beklemmend authentisch die Unsicherheiten dieser streng protestantisch erzogenen Norddeutschen nachzuzeichnen versteht, gelingt es ihm zugleich, die Enge ihrer Erziehung, die auferlegten und akzeptierten Schranken des Denkens, mit ihr gemeinsam behutsam und voller Einfühlung zu überwinden. So wird ihr Spaziergang nicht nur zu einer wunderbaren Beschreibung und Liebeserklärung an Rom, sondern auch zum behutsamen Beginn einer Emanzipation. Fragen von Sieg und Tod, Gottvertrauen und Widerstand – in kleinsten Portionen – gewinnen auf ihren Weg an Kontur.

Realistisch und zugleich poetisch zeichnet Friedrich Christian Delius das eindrucksvolle Porträt einer Frau, die als typisch für ihre Generation und Schicht gelten könnte. Seine Annäherung ist von Respekt und tiefer Wertschätzung geprägt. Unaufdringlich und glaubwürdig wird dabei ihr vom Protestantismus geprägter Glaube thematisiert und in seinem Schwanken zwischen alltäglicher Frömmigkeit und theologischen Abstraktionen abgebildet. Glauben ist hier alltagstauglich, wenn auch extrem anfällig für Beeinflussung und Verführung.

F.C. Delius legt mit dieser sehr persönlichen Erzählung erneut ein literarisch und inhaltlich überzeugendes Buch vor. Es dürfte eine große Leserschaft ansprechen und je nach Geschlecht und Alter zur Diskussion und Auseinandersetzung anregen.“

F.C. Delius wurde 1943 in Rom geboren und ist in Hessen aufgewachsen. Er studierte Literaturwissenschaft an der TU und FU Berlin, arbeitete als Lektor bei Wagenbach und Rowohlt und lebt seit 1978 als freier Schriftsteller. Sein vielfältiges Werk, das von der Lyrik bis zum zeitkritischen Roman reicht, ist vielfach ausgezeichnet worden, u.a.2007 mit dem Joseph-Breitbach-Preis für sein Gesamtwerk.

Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 in wechselnden Sparten verliehen. Er ist ein Leserpreis, dessen Auswahl ausschließlich auf Vorschlägen von Leserinnen und Lesern beruht. Ausgezeichnet werden Bücher, für die Christen sich einsetzen können. Aus den 104 Vorschlägen wählte die Jury „Das Bildnis der Mutter als junge Frau“ aus und stellte eine Empfehlungsliste mit acht weiteren empfehlenswerten deutschsprachigen Romanen zusammen. Der Evangelische Buchpreis ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird dem Autor am 27. Mai 2009 in der Vicelinkirche in Neumünster überreicht.

Gabriele Kassenbrock
Deutscher Verband Evangelischer Büchereien
37073 Göttingen

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