Bundesweite Ausstellung zum Calvin-Jahr 2009 eröffnet

Nachricht 11. Januar 2009

Hannover (epd). Eine bundesweite Wanderausstellung zum 500. Geburtstag des Kirchenreformators Johannes Calvin (1509-1564) ist am Sonntag in Hannover eröffnet worden. Weltweit beriefen sich etwa 80 Millionen Christen auf Calvin, sagte der Generalsekretär des Reformierten Bundes in Deutschland, Jörg Schmidt, in der evangelisch-reformierten Kirche. Insgesamt sei die Zahl der von Calvin geprägten Protestanten damit höher als die der Lutheraner. Am 10. Juli 2009 jährt sich der Geburtstag des Genfer Reformators zum 500. Mal. Nach Martin Luther gilt Calvin als der bedeutendste Theologe der Reformation im 16. Jahrhundert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erinnert in diesem Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen an sein Leben und Werk.

Calvin habe seine Lehre aus der Leidenschaft für verfolgte Protestanten entwickelt, sagte Schmidt: "Sie ist Theologie für Vertriebene, für Flüchtlinge, für Bedrohte." Verfolgte Christen aus Frankreich seien seinerzeit in Scharen nach Genf gezogen, um dort Schutz zu finden. Innerhalb von 30 Jahren habe sich die Einwohnerzahl der Stadt verdoppelt. Um die sich immer wieder neu bildende Gemeinschaft mit all ihren Konflikten zusammenzuhalten, habe Calvin ethische Disziplin gefordert und so versucht, eine Ordnung zu schaffen.

Auch seine Lehre von der Erwählung (Prädestination) sei vor diesem Hintergrund zu verstehen: "Anderes hatten sich nicht viel auf ihren Fluchtwegen als diese Zusagen: Wir gehören zu den Auserwählten, wenn wir im festen Glauben an Christus stehen. "Evangelisch-reformierte Gemeinden müssten sich diese Ursprünge heute immer wieder in Erinnerung rufen, sagte Schmidt. Andernfalls könne es rasch zu Enge und Abgeschlossenheit kommen. Schmidt kritisierte, dass in Literatur und Öffentlichkeit vielfach Zerrbilder Calvins transportiert würden. So beschreibe Stefan Zweig in seinem Roman "Castellio gegen Calvin" den Reformator als Despoten von Genf.

Die Sonderschau "Leben und Werk eines europäischen Reformators" reist im Calvin-Jahr 2009 in elf Exemplaren durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Sie soll in etwa 100 Gemeinden gezeigt werden. 14 Ausstellungstafeln schildern anhand von Bildern und Hintergrundtexten das Leben und die Wirkungsgeschichte Calvins von seiner Kindheit und dem Studium an über den Durchbruch zur Reformation und den Abendmahlsstreit bis zu seinem Tod. Die einzelnen Tafeln tragen Überschriften wie Straßburger Lehrjahre, Neuordnung der Genfer Kirche, der Prozess gegen Michel Servet oder Calvinismus und Kapitalismus. Dabei würden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über den Genfer Reformator berücksichtigt, hieß es.

Calvins Lehre beeinflusste vor allem die USA, die Schweiz, die Niederlande und Großbritannien und trug zum Aufbau demokratischer Gemeinwesen bei. In Deutschland sind die von Calvin geprägten evangelisch-reformierten Gemeinden hauptsächlich in Nordwest-Deutschland und im Lipper Land vertreten. In anderen Landesteilen verbanden sich die Ideen Calvins mit der Theologie Luthers.

Im Internet: www.calvin.de


epd-lnb mig / 11.1.2009
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