Bischöfe mahnen zum Jahreswechsel: Geld und Wachstum bringen kein Heil

Nachricht 01. Januar 2009

Hannover (epd). Angesichts der Wirtschaftskrise haben evangelische und katholische Bischöfe zum Jahreswechsel eine Rückbesinnung auf Gott gefordert. Die krisenhaften Entwicklungen stellten die Menschen vor die Frage, worauf es letztlich ankomme, "auf Gott oder auf das Geld", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, am Mittwoch in Hannover. "Wettbewerb, Wachstum und Gewinn sind wirtschaftliche Instrumente; eine verlässliche Lebensgewissheit stiften sie nicht."
Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch warnte vor Gleichgültigkeit in der Krise. Er rief die Christen auf, Gott in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stellen.

Das Heil ruhe nicht auf dem Geld, betonte Bischof Huber. Er erinnerte an die biblische Jahreslosung für das Jahr 2009: "Was bei den Menschen unmöglich ist,das ist bei Gott möglich" (Lukas 18,27). Dieses Jesus-Wort aus dem Lukasevangelium "strahlt Zuversicht und Trost aus, über alle aktuellen Anlässe hinaus".

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann erklärte, viele Menschen bauten darauf, dass sie sich mit Geld gegen jede Not absichern könnten. »Wie unsicher und verletzbar diese Absicherung ist, wurde uns im vergangenen Jahr bewusst, als alle Kurse wankten", so die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Davon seien nicht nur die Superreichen betroffen gewesen, sondern auch viele "kleine Leute", die ein Häuschen oder eine Lebensversicherung zur Altersvorsorge angespart hätten. Auch Käßmann verwies auf die biblische Jahreslosung2009. Diese sei eine Lebenszusage, die das neue Jahr nicht von vorneherein zum Krisenjahr abstempele.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch, beklagte im Silvestergottesdienst im Freiburger Münster, vielen sei der «moralische Gleichgewichtssinn verloren gegangen«. Nicht nur die Finanz- und Bankenkrise bringe dies deutlich zum Ausdruck, sondern tiefer noch die Sorge um das Menschsein selbst.So werde die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens nicht mehr allgemein anerkannt.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner warnte in seiner Silvesterpredigt davor, den Bezug zu Gott zu verlieren und falschen Göttern zu folgen. Den Hunger und Durst des Menschen nach ewiger Glückseligkeit könne nur Gott stillen, sagte Meisner am Mittwochabend im Kölner Dom laut Predigttext. "Erwecken wir die Sehnsucht nach Gott, damit wir von den Süchten des Menschen nicht deformiert werden." Wenn die Sehnsucht nach Gott von ihrem Zielpunkt abgeschnitten werde, pervertiere sie zu Habsucht, Ehrsucht und Genusssucht.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, sagte, überallen in Aussicht stehenden schlechten Nachrichten für das kommende Jahr stehe die eine gute Botschaft Gottes: "Was immer für düstere Prognosen und noch düsterere Erwartungen auf dem kommenden Jahr liegen: Auch das Jahr 2009 wird ein 'anno domini' sein - ein Jahr des Herrn". Damit sei eine Grenze gesetzt gegenüber allen Schrecken.

epd-bas/lnb mil
1.1.2009
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