Oldenburger Bischof Janssen: Kirche sollte selbstbewusster auftreten

Nachricht 30. Dezember 2008

Oldenburg (epd). Die Kirchen in Deutschland sollten nach Ansicht des Oldenburger Bischofs Jan Janssen selbstbewusster auftreten. Auch in Fragen der Klimapolitik oder der Bildung dürfe die Stimme der Kirchen nicht einfach weggewischt werden, sagte der neue Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg am Dienstag im epd-Gespräch. Janssen ist seit Oktober Bischof der Kirche mit 123 Kirchengemeinden zwischen der Nordseeinsel Wangerooge und den Dammer Bergen.

Gerade in den kirchlichen Kernfragen zu Gerechtigkeit, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung sei die kirchliche Stimme wichtig. "Kirche kann und soll von den eigentlichen Dingen sprechen und so ihre Solidarität oder Kritik zeigen", sagte der Bischof. Dabei solle sie nicht etwa festlegen, wie hoch beispielsweise der Milchpreis zu sein hat: "Wohl aber soll sie von der Arbeit der Milchbauern reden, die im Schweiße ihres Angesichts ein wertvolles Lebensmittel produzieren."

Für das kommende Jahr habe er sich als Leitmotiv das Wort "Beteiligung" gesetzt, sagte der 45-jährige Theologe. Er wolle nicht autoritär die Kirche leiten, sondern zuhören und Fragen stellen. "Nur so können wir gemeinsam Antworten entwickeln." Das Verhältnis von der Kirchenleitung zur Hoheit der Kirchengemeinden werde in den Diskussionen eine wichtige Rolle spielen.

Ein Schwerpunkt des kommenden Jahres sei der 32. Evangelische Kirchentag vom 20. bis 24. Mai in Bremen, zu dem auch die oldenburgische Kirche einlädt. Viele der mehr als 460.000 Gemeindemitglieder werden sich an dem bundesweit größten Christentreffen beteiligen. "Neben ganz viel Spaß erwarte ich viele Impulse für die kirchliche Arbeit in ernsthaften Fragen und liturgische Anregungen." Bis zu seiner Wahl als Oldenburger Bischof war Janssen als Kirchentagspastor tätig.

In die Zukunft der Kirche sieht Janssen hoffnungsvoll. "Auch im Jahr 2030 wird es eine evangelische Kirche im Oldenburgischen geben", ist er überzeugt. Ob es dann noch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg sei oder sie eine andere Gestalt habe, sei nicht so wichtig. Die Kirche müsse sich selbstbewusst fragen, was sinnvoll sei: "Die Form muss den Inhalten folgen. Ordnungen und Strukturen müssen den Aufgaben der Kirche dienen."

Gleichwohl rede er nicht einer evangelischen Kirche in Niedersachsen das Wort, betonte Janssen. Die Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen müsse weiter ausgebaut werden und gleichzeitig die Vielfalt als Kennzeichen der evangelischen Kirchen bewahrt bleiben. "Erst wenn mir jemand beweist, dass wir zehn Prozent mehr Kirchenmitglieder bekommen, wenn wir die Grenzen der Landeskirchen verschieben, bin ich dabei."

Internet: www.kirche-oldenburg.de
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30.12.2008
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