Landesbischöfin ruft zu Hilfe für verfolgte Iraker auf

Nachricht 30. Dezember 2008

Hannover (epd). Die allererste Aufgabe der Kirchen ist es nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann, Menschen beizustehen, die sonst keine Hilfe bekommen. Dies gelte besonders für Flüchtlinge, sagte die evangelische Bischöfin am Dienstag im epd-Gespräch. Wenn Anfang des neuen Jahres 2.500 verfolgte Iraker, darunter viele Christen, im niedersächsischen Aufnahmelager Friedland einträfen, müssten die Kirchen vorbereitet sein.

"Diese Menschen haben Flucht und Vertreibung hinter sich. Was sie jetzt vor allem brauchen, ist eine warmherzige Aufnahme", sagte Käßmann. Die Bischöfin wies darauf hin, dass Christen die am stärksten verfolgte Religionsgruppe in der Welt seien: "Sie sind immer wieder vom Verlust ihrer Heimat bedroht, weil sie zu ihrem Glauben stehen."

Die Kirchen haben Käßmann zufolge eine große Verpflichtung, sich für verfolgte Christen verantwortlich zu fühlen. Die Mehrheitsreligion sei zudem in jedem Land aufgerufen, die jeweiligen religiösen Minderheiten zu schützen. In christlichen Ländern sei dies die Aufgabe der Kirchen, in islamischen Ländern die der muslimischen Religionsführer.

Weiter sagte Käßmann, dass für die Kirchen die Unterstützung für Menschen ohne gültige Aufenthaltserlaubnis ein langfristiges Thema bleiben werde: "Wir können nicht zusehen, dass Kinder nicht zur Schule gehen können, Kranke sich nicht trauen, einen Arzt aufzusuchen, und ältere Zuwanderer sich sorgen müssen, im Todesfall kein Grab zu bekommen."

Anlässlich einer Wanderausstellung der hannoverschen Landeskirche mit dem Titel "Leben im Verborgenen. Menschen ohne Pass und Papiere in Deutschland" sei ein Notfallfonds über 10.000 Euro gegründet worden. "Das ist aber nur ein Anfang", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche. Sie habe im vergangenen Jahr erlebt, wie sehr Menschen bereit seien, sich für andere zu engagieren: "Viele wollen Solidarität zeigen und konkret Hilfe leisten."

Ein Beispiel dafür sei die Aktion der Protest-Armbänder zu Olympia gegen Menschenrechtsverletzungen in China und Tibet gewesen. Aus den ursprünglich geplanten 2.000 Armbändern für Sportler sei eine internationale Aktion geworden. Die Landeskirche habe knapp 240.000 Bänder bis nach Indien verschickt und dabei 60.000 Euro an Spenden für eine Hilfsorganisation in China eingenommen.

"Vielleicht lässt sich etwas Ähnliches für Menschen ohne Paiere ins Leben rufen", sagte Käßmann. Sie erinnerte an die seit mehr als 20 Jahren bestehende Antirassismus-Kampagne "Touche pas à mon pote/ Mach meinen Kumpel nicht an!" in Frankreich, bei der die Franzosen ein kleines buntes Abzeichen in Form einer abwehrenden Hand tragen. In Deutschland leben nach Schätzungen 500.000 bis eine Million Menschen ohne Papiere.

Spendenkonto für den Notfallfonds "Menschen ohne Papiere": Diakonisches Werk Stadtverband Hannover, Konto 200 601 233, BLZ 520 604 10.

Internet: www.leben-im-verborgenen.de

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30.12.2008
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