Landesbischöfin fordert warme Mahlzeiten für alle Kinder

Nachricht 29. Dezember 2008

Hannover (epd). Jedes Kind in einer Ganztagsschule muss nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann eine warme Mahlzeit erhalten. Es sei Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, sagte Käßmann am Montag im epd-Gespräch in Hannover. "Ich finde es unerträglich, dass nur diejenigen in Schulkantinen Essen bekommen, die auch dafür bezahlen können, während die anderen zusehen müssen." Gleichzeitig sprach sich die evangelische Bischöfin für eine Lehrmittelfreiheit aus, die neben Schulbüchern auch Kopiergeld, Unterrichtsmaterialien oder Turnschuhe einbeziehe: "Die Kinder sind die Zukunft unseres Landes, und jedes Kind hat einen Anspruch darauf, gestärkt und gefördert zu werden."

Kinderarmut ziehe Bildungsarmut nach sich und könne dazu führen, dass die Menschen von staatlicher Unterstützung abhängig würden, sagte Käßmann weiter. Die hannoversche Landeskirche habe deshalb die Kampagne "Zukunft(s)gestalten - Allen Kindern eine Chance" gestartet, die schlechter gestellte Familien in Form eines Bonifizierungsmodells mit insgesamt einer Million Euro unterstützt.

Gleichzeitig habe die größte deutsche Landeskirche damit begonnen, ihre Kindertagesstätten zu Familienzentren umzubauen. "Viele Eltern brauchen heute Hilfe bei der Erziehung", sagte Käßmann. Zu solchem Zentrum gehörten deshalb im Idealfall eine Erziehungsberaterin, ein Café, das von Ehrenamtlichen betrieben werde, eine regelmäßige Seelsorge-Sprechstunde und eine Vernetzungsstelle, die an andere Beratungseinrichtungen weitervermittele.

In den Kindertagesstätten gibt es Käßmann zufolge auch zunehmend Projekte, die Jung und Alt miteinander in Kontakt bringen sollen. "Wer Erzählstunden in den Kindergärten erlebt, bei denen Senioren Geschichten vorlesen, sieht, wie glücklich beide Generationen miteinander sein können." Ähnliches passiere auch in manchen Konfirmandengruppen, wenn die Jugendlichen ein- bis zweimal pro Woche ältere Menschen besuchten und sich für ihr Wohlergehen verantwortlich fühlten: "Die Kirche hat große Chancen, alte Familienstrukturen in neuer Form aufzubauen, indem sie die Generationen wieder zusammenführt."

Zum Thema Senioren sagte die Bischöfin, sie habe Verständnis für die Angst vieler alter Menschen, allein und krank zu sterben und sich dabei völlig ausgeliefert zu fühlen: "Ich finde es traurig, dass Menschen im Schnitt 220 Minuten pro Tag vor dem Fernseher verbringen, aber keine Zeit für ihre Nachbarn haben."

Die Bischöfin lobte die Arbeitsgemeinschaft Evangelische Krankenhaus-Hilfe, in der knapp 10.500 Frauen und 700 Männer als "Grüne Damen und Herren" organisiert sind. Sie erfüllten ehrenamtlich und unabhängig persönliche Wünsche von Patienten und älteren Menschen, sagte Käßmann als Schirmherrin des Vereins. Zu dem Respekt vor Älteren gehöre für sie auch, nicht immer nur die Leistungsträger in der Gesellschaft nach vorn zu stellen. Der Kirche müsse es darum gehen, die Weisheit älterer Menschen auch abzufragen: "Viele von ihnen sind in einem positiven Sinn 'lebenssatt', und wir können von ihrer Glaubensheiterkeit und Gelassenheit lernen."

Internet: www.zukunftsgestalten.de und www.ekh-deutschland.de

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29.12.2008
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