Landesbischöfin entschieden gegen den Verkauf von Kirchen

Nachricht 14. Dezember 2008

Emden (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat sich gegen den Verkauf von Kirchen ausgesprochen. Die Kirchengemeinden sollten sich vielmehr fragen, was sie mit ihrem Kirchengebäude anfangen wollten, sagte sie am Sonntag bei der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Emder Martin-Luther-Kirche. Der Kirchenraum müsse nicht geschont werden: "Er wird durch vielfaches Benutzen nur besser, durchbeteter sozusagen", sagte die evangelische Bischöfin.

Die Martin-Luther-Kirche in Emden wurde vor 50 Jahren am 14. Dezember 1958 vom damaligen Bischof der hannoverschen Landeskirche, Hanns Lilje (1899-1977), eingeweiht. Sie ist die Nachfolgerin für Emdens erste lutherische Kirche aus dem Jahre 1775, die 1942 in einem Bombenangriff zerstört wurde. Nach dem Krieg kaufte die Gemeinde eine Baracke und baute sie zu einer Notkirche um. Am 1. Juli 1956 wurde der Grundstein für die neue Kirche mit ihrem 50 Meter hohen Turm gelegt. Erst in den 1960er Jahren wurde sie in Martin-Luther-Kirche umbenannt.

Angesichts schrumpfender Gemeinden werde vielerorts laut über den Verkauf von Kirchen nachgedacht, sagte Käßmann in ihrer Predigt. "Ich bin entschieden dagegen. Die alten geprägten Sakralräume sollten wir nicht preisgeben." Zwar habe bereits der Reformator Martin Luther betont, Kirchen seien keine heiligen Räume, dennoch habe er ihnen eine besondere Würde als "Haus für das Predigtamt" zugestanden. Kirchen verdienten einen besonderen Respekt, unterstrich die Bischöfin: "Dort kann man eben nicht alles machen."

Ein Jubiläum ist Käßmann zufolge ein guter Zeitpunkt, um sich erneut zu fragen, was sie die Gemeinde mit ihrer Kirche erreichen will. "Ist es ein offenes Haus für die Menschen hier am Ort mit ihren Alltagssorgen und Alltagsfragen? Soll Kinderlachen hier erklingen? Wird sich hier eingemischt in den Alltag der Welt, Fragen von Arbeitslosigkeit, Finanzkrise, Sterbehilfe, Spätabtreibung? Wird die christliche Stimme mitten in der Welt hier hörbar?" Kirchen sollten als Orte des Gottesdienstes Menschen für den Alltag in der Welt stärken.

Seit dem vergangenem Jahr ist die Martin-Luther-Kirche die Predigtkirche des Landesuperintendenten des evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland. Im Zuge von Reformen der Landeskirche wurde 2007 der Sitz des Regionalbischofs von Aurich nach Emden verlegt. Landessuperintendent Detlef Klahr wurde voriges Jahr bereits in der Martin-Luther-Kirche in sein Amt eingeführt. Zum Sprengel gehören rund 335.500 Lutheraner in 159 Kirchengemeinden.

Internet: www.martin-luther-gemeinde-emden.de und www.sprengel-ostfriesland.de

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