Landesbischöfin: Mit Kindern über Tod und Trauer reden

Nachricht 13. Dezember 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Eltern ermutigt, mit ihren Kindern über Tod und Trauer zu reden. "Kinder haben durchaus ein Bewusstsein, dass das Leben endlich ist", sagte sie am Freitag vor Journalisten in Hannover: "Sie sind neugierig, was der Tod bedeutet." Die Erwachsenen hätten viel mehr Hemmungen, mit dem Thema umzugehen. Die evangelische Bischöfin sprach zum Auftakt des Projektes "Gibt's im Himmel auch Spaghetti? - Mit Kindern über das Sterben reden" der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen/Sachsen-Anhalt.

Kinder ab etwa drei Jahren könnten auch mit zu Beerdigungen genommen werden, sagte Käßmann: "Das ist eine große Chance, mit ihnen ins Gespräch über Leben und Tod zu kommen." Kinder hätten angesichts des Todes auch Ängste und Fantasien: "Und die können im Zeitalter des Internet bedrohlich werden." Es könne Kindern helfen, wenn sie den Friedhof als einen friedlichen Ort entdeckten und frühzeitig die Rituale des Abschiednehmens erlebten: "Es ist wichtig, ein Ritual zu haben, um der Trauer eine Form zu geben und dem Leben Tiefe."

Die Bischöfin erinnerte dabei an das schwere Busunglück Anfang November bei Hannover, bei dem 13-jährige Schülerinnen eine Klassenkameradin verloren hatten. Die Rituale des Abschieds bei der Trauerfeier hätten ihnen sichtlich Halt vermittelt. Kinder sähen bis zu ihrem 14. Lebensjahr rund 18.000 Tote im Fernsehen und im Internet. "Wir müssen sprachfähig werden über Sterben und Tod", forderte Käßmann. Dann fänden auch "reißerische" Aktionen wie vor kurzem die Übertragung einer Selbsttötung im englischen Fernsehen nicht mehr so viel Resonanz.

Mit Hilfe des Projektes "Gibt's im Himmel auch Spaghetti?" sollen Erzieherinnen das Thema Tod und Trauer im Kindergarten zur Sprache bringen. Die Treuhandstelle hat dazu anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens einen Leitfaden, ein Bilderbuch und weitere Materialien in einer Auflage von 30.000 Exemplaren herausgebracht. Sie sind auf Anfrage kostenlos erhältlich. Das Projekt wurde in drei Kindergärten entwickelt. Die Treuhandstelle ist ein privates Unternehmen für Dauergrabpflege mit rund 30.000 Kunden und 800 Partner-Betrieben in zwei Bundesländern.

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