Landesbischöfin und Journalistenverband gegen Sterbehilfe im TV

Nachricht 12. Dezember 2008

Hannover/Osnabrück (epd). Fernsehredakteure sollten nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann der Versuchung widerstehen, das Sterben zu vermarkten. "Das Sterben gehört nichts ins Fernsehen, da ist für mich eine ethische Grenze von Öffentlichkleit gegeben", sagte Käßmann in einem Interview der in Hannover erscheinenden "Neuen presse" (Freitagausgabe). Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) hält die britische Fernsehdokumentation über begleitete Sterbehilfe "aus medienethischer Sicht" für nicht verantwortbar.

Es bestehe die Gefahr, dass durch solche TV-Beiträge die Nachfrage nach moralisch fragwürdigen Sendungen geschaffen werde, sagte der Vorsitzende Michael Konken in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung (Freitagausgabe). Bei der Fernsehübertragung über die Selbsttötung eines unheilbarkranken ehemaligen Universitätsprofessors im Sender "Sky Real Lives" habe es sich zwar nicht um Sensationsberichterstattung gehandelt. Viel mehr sei es eine Dokumentation "im besten journalistischen Sinne" gewesen, erklärte Konken. Dennoch sei es unverantwortlich, auf diese Weise über einen Suizid zu berichten, um damit die Einschaltquote zu steigern.

Derartige Sendungen widersprechen nach Ansicht des DJV-Vorsitzenden dem Pressekodex des Deutschen Presserates. Dieser verpflichte Journalisten zur Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschenrechte sowie zur Achtung von Privatleben und Intimsphäre. Bisher sei in deutschen Fernsehsendern der Tod daher auch nicht Gegenstand der Bildberichterstattung gewesen, sagte Konken. Er appellierte an die Journalisten, sich ihre medienethische Verantwortung bewusst zu machen.

Margot Käßmann sagte weiter, sie befürchte auch, dass "der reißerische Umgang mit der Selbsttötung" manche Menschen unter Druck setze, sich das Leben zu nehmen, um den Angehörigen nicht zur Last zu fallen: "Das wäre ein Trauerspiel für das soziale Miteinander in unserem Land." Sie setzte sich dafür ein, dass die 840.000 Menschen, die in jedem Jahr in Deutschland sterben, dies in Würde tun könnten, sagte die Bischöfin. Deshalb plädiere sie für eine passive Sterbehilfe, die das Leben bei unerträglichen Schmerzen nicht durch Beatmung und Sondenernähruing verlängere, sondern das Sterben zulasse.

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