Osnabrück: Mediterrane Klänge, nachdenkliche Worte und ein eindrückliches Bild

Nachricht 06. Dezember 2008

250 Gäste beim Jahresempfang des Sprengels Osnabrück

Etwa 250 Gäste haben einen atmosphärischen Jahresempfang des evangelischen Sprengels Osnabrück in der St. Marienkirche am Markt erlebt. Ein Mann im schwarzen Anzug spielte aus dem hinteren Kirchenraum kommend auf der Oboe Ein Gitarrist begleitete ihn zu Klängen, die an den nahen Osten erinnerten. Die beiden steigerten sich zu einem virtuosen Tanz, der ihr Programm „Klezmer meets Klassik“ erlebbar werden ließen. Dann begrüßte Landessuperintendent Dr. Burghard Krause seine Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kirchen und führte in das Thema: „Die große Gier und das Himmelreich – Zum Auftrag der Kirche in einer Zeit der Maßlosigkeit“ ein.

Als Referent war der Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsens, Axel Noack, angereist. Bekannt für seine prägenden Wortspiele („Kirche muss fröhlich kleiner werden und mutig wachsen“), erklärte Noack zunächst, dass das Thema „Gier“ nichts Neues sei. Es habe auch schon in der Bibel seinen Niederschlag etwa im zehnten Gebot und in einigen Gleichnissen Jesu gefunden.

Der sächsische Bischof warnte davor, die Wirtschaftskrise als plötzlich hereingebrochen zu verstehen und nur den Bankern daran die Schuld zu geben. Die Rufe nach mehr Gesetzen sei nur die halbe Lösung, „denn allein mit dem Gesetz kann keine Welt regiert werden“, so Noack, der sich in dieser Ansicht auf den Reformator Martin Luther beruft. Nötig sei vielmehr, die bestehende Ordnung durch Überzeugung inhaltlich zu füllen. Dazu könne auch in der modernen Gesellschaft das Evangelium helfen. Dankbarkeit und Besinnen für das, was Gott dem Menschen schenkt ist der beste Schlüssel dafür, so Noack.

Die Kirche dürfe nicht den Fehler machen, den Menschen alles madig zu machen. Sie solle sich etwa freuen, dass so viele Menschen die Weihnachtsmärkte besuchen und versuchen, „noch etwas dazu zu tun“. Sie müsse „mehr vom Himmel reden, damit die Menschen auf der Erde Orientierung finden“, führte der Bischof aus.

Mit einer Bildmeditation schloss Landessuperintendent Dr. Krause den Jahresempfang ab. Er zeigte ein Bild, auf dem eine anonyme, gesichtslose Masse dargestellt ist. In der Mitte reißt das Bild auf und es sind Maria und Joseph mit dem Jesuskind zu sehen. Mit den Worten: „ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht wie Getriebene auf Weihnachten zu gehen und Ihr Herz ein kleines Stück aufreißt“ verabschiedete Dr. Krause seine Gäste, die einen anregenden und besinnlichen Abend zugleich in der Marienkirche verbrachten.

Frank Uhlhorn