Landesbischöfin warnt vor Preiswettbewerb in der Pflege

Nachricht 05. Dezember 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat vor einem Preiswettbewerb auf Kosten von Pflegekräften gewarnt. Die Diakonie fordere eine angemessene tarifliche oder vergleichbare Bezahlung der Beschäftigten, sagte Käßmann am Freitag im epd-Gespräch. Eine Pflegefachkraft verdiene im Schnitt weniger als 1.500 Euro netto im Monat, eine Pflegehelferin weniger als 1.200 Euro. "Für mich ist es ein Skandal, wenn Kostenträger zulassen, dass Beschäftigungsverhältnisse entstehen, in denen Mitarbeitende weit weniger verdienen."

Die evangelische Bischöfin hatte bereits in der vergangenen Woche Dumpinglöhne in der Pflege kritisiert. Die Pflegekassen in Niedersachsen wiesen den Vorwurf eines "Preisdiktates" zurück. Es drängten ständig neue Dienst auf den Markt, die mit niedrigen Preisen Leistungen in guter Qualität erbrächten, erklärten die Kassen. Käßmann sagte dem epd, das kirchliche Arbeitsrecht stehe dafür, dass gute Arbeit auch fair bezahlt werde. Die Tarife in der Diakonie sähen dies auch vor, aber sie würden von den Kassen nicht akzeptiert.

Versuche, das Gehalt von Pflegekräften zu drücken, seien demotivierend und verringerten die Achtung vor sozialen Berufen, sagte Käßmann: "Wir wollen angemessen zahlen und erwarten, dass die Pflegekassen, in die die Menschen ja eingezahlt haben, das auch refinanzieren."

Weiter sagte Käßmann, sie habe großen Respekt vor den Pflegekräften. Viele arbeiteten bis an die äußerste Grenze ihrer Belastbarkeit: "Sie erleben den Widerspruch zwischen dem ethischen Anspruch einer für alle Seiten zufrieden stellenden Pflege und dem Kostendruck täglich hautnah." Die Wenigsten hielten die Belastungen durch. Sie wechselten den Beruf vorzeitig oder gäben auf.

Hinzu komme, dass Pflegeberufe für junge Menschen zunehmend unattraktiv würden. In eigenen Regionen Niedersachsens haben soziale Einrichtungen Käßmann zufolge bereits heute Probleme, geeignetes Fachpersonal zu finden.

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