Landesbischöfin: Christen sollen für den Frieden eintreten / 21 neue Trainer für Gewaltprävention mit "Schritte gegen Tritte" eingeführt

Nachricht 19. November 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Christen am Buß- und Bettag dazu aufgerufen, für den Frieden einzutreten. Religiös motivierte Menschen könnten dazu beitragen, die Gewalt in politischen Konflitken zu vermindern, sagte sie am Mittwoch in ihrer Predigt in der hannoverschen Marktkirche. Als Beispiel nannte sie den katholischen Bischof Carlos Belo, der im Konflikt um den asiatischen Inselstaat Ost-Timor vermittelt hatte und dafür 1996 den Friedensnobelpreis erhielt. Auch im Konflikt zwischen Argentinien und Chile sowie in Sambia, Nicaragua, Sri Lanka oder im Kongo hätten Christen vermittelt und zum Frieden beigetragen.

"Wir sind zu sehr fixiert auf Selbstmord-Attentäter, die ihr grauenvolles Tun religiös begründen, auf Fundamentalisten, die meinen, im Namen Gottes sei Gewalt zu rechtfertigen, und auf Kriegstreiber mit Kreuzzugsmentalität", sagte Käßmann. Die Kirche müsse zivile Friedensdienste unterstützen: "Sie ist immer in die Irre gegangen, wenn sie Gewalt und Unrecht verteidigt hat." Christen sollten sich nicht als Gutmenschen abqualifizieren lassen.

In dem Gottesdienst erhielten 21 neue Multiplikatoren des Präventionsprojektes "Schritte gegen Tritte" ihre Lizenz, das Programm zur Überwindung von Gewalt vor Schülern oder Konfirmanden anzuleiten. "Schritte gegen Tritte ist ein beeindruckendes Beispiel internationaler Friedensarbeit", sagte der hannoversche Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer bei einem anschließenden Empfang. Es könne, wenn es gelinge, enorme Folgen für das gemeinsame Leben in einer Schule oder einem Stadtteil haben.

Das Projekt entstand 1993 in Südafrika und bezieht Erfahrungen aus der damaligen Anti-Apartheid-Bewegung auf die Lebenswelt heutiger Jugendlicher in Deutschland. Dabei sollen eigene Gewalterfahrungen zur Sprache gebracht und reflektiert werden. Zugleich werden Alternativen erarbeitet, mit denen deeskalierend reagiert werden kann. Für das Projekt arbeiten inzwischen 140 haupt- und ehrenamtliche Multiplikatoren in Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. Es erreicht jährlich etwa 5.000 Jugendliche ab zwölf Jahren. Unter den neuen Multiplikatoren aus Niedersachsen sind Lehrer, Diakone und Pastoren.


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