Oberlandeskirchenrat Brandy warnt vor Beisetzung "im engsten Kreis"

Nachricht 16. November 2008

Rotenburg/Stade (epd). Der evangelische Oberlandeskirchenrat Hans Christian Brandy hat davor gewarnt, den Tod als ausschließlich private Angelegenheit zu behandeln. Es gebe eine Tendenz zur "Beisetzung im engsten Kreis", sagte der leitende Theologe der hannoverschen Landeskirche am Wochenende bei Gesprächsforen zur christlichen Bestattungskultur in Rotenburg und Stade. Damit werde etwa Nachbarn und Kollegen ein Abschied vorenthalten. Sie würden nichts von der Beerdigung erfahren.

Brandy, der auch anonyme Beisetzungen kritisierte, plädierte für eine "öffentliche Trauerkultur". Der Mensch sei in seinem Leben ein öffentliches Wesen, deshalb solle auch die Beisetzung in der Gemeinschaft geschehen. Anonyme Bestattungen widersprächen zudem der Einzigartigkeit und Würde des Menschen. Wenn ein Toter etwa aus Kostengründen anonym beigesetzt werde, komme der Eindruck von einer schnellen Entsorgung auf. Wenn es kein Grab mit einem Namen gebe, erschwere dies die notwendige Trauerarbeit. Auf kirchlichen Friedhöfen gibt es grundsätzlich keine anonymen Bestattungen.

Der Cuxhavener Bestatter Christian Gerling bestätigte Brandys Beobachtung vom Trend zum Begräbnis im kleinsten Kreis: "Der Tod geschieht in aller Stille. Das sollen die Nachbarn nicht mitkriegen. Das Leben ist anonym, das Sterben ist anonym."

Gerling forderte von den Friedhofsträgern mehr Flexibilität, um besser auf die Wünsche der Angehörigen eingehen zu können. Er kritisierte insbesondere Pastoren, die beispielsweise nach einem Todesfall am Wochenende oder am Montag nicht erreichbar seien. Wenn in solchen Fällen erst ein Tag nach einer Nachricht auf dem Anrufbeantworter zurückgerufen werde, müsse sich die Kirche fragen, "ob sie nicht direkter am Ball sein kann".

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