Afrikanische Religionsführer fordern rasches Eingreifen im Kongo

Nachricht 15. November 2008

Kampala (Uganda)/Genf (LWI). Laut Vertreterinnen und Vertretern einer panafrikanischen Gruppe von Religionsfuehrern könnte der Konflikt um die Bodenschätze in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) verhindert werden, wenn die Unterzeichnenden der Friedensabkommen den eingegangenen Verpflichtungen nachkämen.

Führende Persönlichkeiten der Interreligiösen Initiative für Frieden in Afrika (IFAPA) riefen auch die leitenden ReligionsvertreterInnen in Afrika dazu auf, mit den politischen Führungen der DRK und der angrenzenden Staaten in Kontakt zu treten, um der Krise, unter der die Zivilbevölkerung am stärksten leide, ein Ende zu bereiten.

“Berühren uns die unmenschlichen Bedingungen nicht, in denen [innerhalb des Landes vertriebene] Mütter und Kinder leben müssen? Ist es nicht wahr, dass, während der Krieg tobt, die Bodenschätze aus dem Land gebracht werden und nur anderen, nicht aber der Bevölkerung der DRK nützen?”, fragte Pfr. Dr.
Ishmael Noko, IFAPA-Präsident und Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), in seinem Grundsatzreferat auf der dritten Tagung der IFAPA-Kommission, die in diesem Jahr vom 10. bis 13. November in Entebbe nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala stattfand. Der 2002 gegründeten IFAPA gehören Vertreterinnen und Vertreter der sieben grössten Glaubenstraditionen Afrikas an.

In den vergangenen Wochen kam es in der rohstoffreichen Region im Osten der DRK, vor allem in Nord- und Suedkivu, verstärkt zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und den Aufständischen um den abtrünnigen General Laurent Nkunda. Hilfswerke sprechen von einer großen Zahl Vertriebener. Nach UN-Angaben erhalten in der Nähe der Provinzhauptstadt Goma fast 200.000 Menschen Nothilfe, während in den umliegenden Wäldern weitere Vertriebene vermutet werden.

“Um unserer Kinder und ihrer Zukunft willen” ermahnte Noko die Religionsführerinnen und Religionsführer, “den Mut zu haben, als gutes Beispiel voranzugehen” und sich mit den Konfliktparteien an einen Tisch zu setzen. Er betonte, dass entschiedenes Handeln dringend notwendig sei, da Kriege und Konflikte ansonsten allmählich wesentlicher Bestandteil afrikanischer Politik würden. “Werden wir diese Entwicklung weiter fortschreiten lassen?”, so Nokos Anfrage an die Kommissionsmitglieder.

“Es handelt sich hier nicht um ein politisches Problem, sondern um einen Konflikt um Rohstoffe und darum, wer die entscheidenden Regionen kontrolliert”, betonte Pfr. Gilbert Boissa, Mitglied der IFAPA-Kommission und Präsident des Nationalen Interreligiösen Forums in der DRK. Er wies darauf hin, dass Friedensverträge, vor allem der im Dezember 2006 in Nairobi (Kenia) geschlossene Pakt fuer Sicherheit, Stabilität und Entwicklung, nicht eingehalten würden, was einigen Gruppen einen Vorwand liefere, die Kämpfe wieder aufzunehmen.

Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR wurden durch die Kämpfe im Osten der DRK seit 2006 eine Million Menschen vertrieben. Während mehr als 300.000 Kongolesen in Nachbarstaaten geflohen sind, hat die DRK selbst fast 300.000 Flüchtlinge aus anderen Krisengebieten in der Region aufgenommen.

“Aus den Krisengebieten wird von sexuellem Missbrauch und der gewaltsamen Rekrutierung von Kindern berichtet. Vergewaltigungen sind weiterhin eine Form der Kriegsführung und viele Frauen sind dem ausgeliefert”, erklärte Boissa.

Laut Boissa tritt das kongolesische IFAPA-Netzwerk zusammen mit anderen religiösen Organisationen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein, führt Familien wieder zusammen und engagiert sich für Frieden und den Schutz humanitärer Hilfsmaßnahmen vor den Kampfhandlungen.

Boissa forderte die IFAPA-Kommission auf, einen Sonderausschuss einzurichten, der sich speziell mit den Problemen in der DRK befasst und vor allem eine Friedenskonferenz organisiert, auf der die Staatsoberhäupter der Region um die Großen Seen den Friedenspakt von Nairobi nochmals diskutieren können. Er schlug vor, einen interreligiösen Überwachungsmechanismus einzurichten, der die Situation in der Region beobachten, kontrollieren und überprüfen könne.

“Die Umsetzung ist das Problem. Der Pakt wird blockiert”, fügte der kongolesische Religionsführer hinzu.

Der LWB ist in dem zentralafrikanischen Land durch seine Mitgliedskirche, die Evangelisch-Lutherische Kirche im Kongo, und das Länderprogramm für Ruanda und die DRK der LWB-Abteilung für Weltdienst vertreten.

(Fredrick Nzwili, LUTHERISCHE WELT INFORMATION-Korrespondent in Nairobi, Kenia.)
14. November 2008