Landesbischöfin ermutigt zu unternehmerischem Handeln

Nachricht 12. November 2008

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat zu unternehmerischem Handeln aufgerufen. "Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Menschen, die den Mut haben, Risiken zu tragen und für sich selbst und andere, Dinge in die Hand zu nehmen", sagte Käßmann am Dienstagabend vor rund 90 Führungskräften aus der Wirtschaft in Hannover. Dies habe sich auch angesichts der großen Schwierigkeiten der Finanzwelt nicht geändert. Dass der Staat jetzt sehr stark eingreife, könne nur eine Notlösung sein: "Auf die Dauer kann keine Wirtschaft florieren, wenn sie staatlich geplant wird."

Die Unternehmer stünden allerdings in einer klaren Verantwortung für ihre Beschäftigten, sagte Käßmann weiter. Auch das Wirtschaftssystem sei auf die Zustimmung der Menschen angewiesen: "Sonst zersetzt es sich von innen heraus." Es seien Strukturen nötig, die von möglichst vielen als gerecht empfunden würden. Die Produktivität der sozialen Marktwirtschaft sei unbestritten: "Sie ist auch unter christlichen Gesichtspunkten die beste Wirtschaftsordnung, die wir denken können."

Gleichzeitig werde die Marktwirtschaft heute oft als ungerecht erlebt: "Sie wird wegen ihrer angeblichen oder tatsächlichen Ungerechtigkeit und ihrem inneren Trend zu mehr Ungleichheit, zu Willkür, Bereicherung, zur Förderung von Gier deutlich in Frage gestellt." Dies gelte besonders dann, wenn gut verdienende Unternehmen Menschen entließen oder die Preise ihrer Güter erhöhten, wie erst kürzlich bei der Deutschen Bahn AG, sagte die evangelische Bischöfin.

Dabei dürften jedoch gerade mittelständische Firmen nicht mit großen Aktienunternehmen verwechselt werden, die von Anonymität bestimmt seien, sagte Käßmann. Unternehmer vor Ort schafften Arbeitsplätze, sorgten sich um Mitarbeitende und bildeten aus: "Das brauchen wir dringend."

Mit ihrer neuen Denkschrift zum Thema "Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive" will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Käßmann zufolge Ansatzpunkte zur Diskussion geben. Das Papier sei ein Anstoß zum Denken und "kein vatikanisches Dekret". Unternehmerische Freiheit werde von der evangelischen Kirche bewusst betont, es sei jedoch immer eine Freiheit in Verantwortung.

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