Seelsorger ziehen erste Bilanz nach Castor-Transport

Nachricht 11. November 2008

Gorleben/Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). Evangelische Seelsorger haben nach dem Castor-Transport ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben eine erste Bilanz gezogen. Der Lüchower evangelische Propst Stephan Wichert-von Holten sprach am Dienstag von einem insgesamt friedlichen Verlauf der Proteste und einem moderaten Vorgehen der Polizei. Während des Transportes waren im Wendland fast 40 Pastorinnen und Pastoren sowie Diakone und andere kirchliche Mitarbeiter unterwegs, um bei drohenden Konflikten zwischen Polizei und Demonstranten zu vermitteln.

Die vor Medien geäußerte Einschätzung des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU), es habe eine größere Zahl gewaltbereiter Demonstranten gegeben, könnten die Kirchenvertreter nicht bestätigen, sagte Wichert-von Holten. "Für uns hat es sich so dargestellt, dass an vielen Orten Demonstanten bewusst auf Gewalt verzichtet haben." Nur vereinzelt habe es Ausnahmen gegeben, etwa bei Blockaden an den Schienen.

Die Polizei habe im Vorfeld des Transportes viel friedlichen Protest zugelassen, sagte Wichert-von Holten. Besonders die Einsatzleiter seien sehr besonnen gewesen. Zum Teil hätten sie aber deutlich auf ihre Einsatzkräfte einwirken und eingreifen müssen, wenn etwa jemand mit dem Fuß aus einer Sitzblockade gezerrt oder Hände und Köpfe verdreht worden seien.

Die durch ihre weißen Westen gekennzeichneten Seelsorger wirkten jedoch mäßigend auf alle Seiten, sagte Wichert-von Holten. "Wer sich von uns beobachtet weiß, unterlässt auch manches." Bereits vor dem Transport hätten Kirchenvertreter Gespräche mit Einsatzleitern und Anti-Atom-Initiativen geführt, sagte der Propst.

Die evangelische Kirche hatte Gemeindehäuser nahe der Transportstrecke als Nachtquartiere für Demonstranten geöffnet. Hausordnungen stellten dort klar, dass der friedliche Protest unterstützt, aber jegliche Gewalt abgelehnt werde. "In jedem der Häuser wären auch Polizisten willkommen gewesen", sagte Wichert-von Holten.

Am Dienstagabend wurde in der Kirche in Langendorf zu einem Gottesdienst im Anschluss an den Castor-Transport eingeladen. Auch während der vergangenen Tage wurden vielerorts Anachten gehalten. Zum "Gorlebener Gebet", zu dem sich Christen seit fast 20 Jahen allwöchentlich in unmittelbarer Nähe der Atomanlagen in einem Wald treffen, waren am Sonntag mehr als 100 Menschen gekommen.

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