Bischöfe melden sich in Finanzkrise zu Wort

Nachricht 12. Oktober 2008

Oldenburg/Frankfurt a.M. (epd). Angesichts der Finanzkrise werden die Rufe nach mehr sozialer Verantwortung im Umgang mit Geld immer lauter. "Eigentum ist dazu da, es mit anderen zu teilen", sagte der Oldenburger evangelische Bischof Jan Janssen am Sonnabend im Deutschlandfunk. Der sächsische Landsbischof Jochen Bohl beklagte, unter der "lasterhaften Gier der Superreichen" würden voraussichtlich vor allem die Menschen in armen Ländern leiden. Der Privatbankier Albrecht Fürst zu Castell-Castell forderte eine Rückbesinnung auf christliche Werte in der Wirtschaft. Auch Ethik-Experten sprachen sich für ein Umdenken aus.

Janssen forderte eine stärkere Orientierung am Gemeinwohl. "Der gute alte Satz 'Eigentum verpflichtet' wäre wieder in Erinnerung zu rufen", sagte der Bischof, dessen Landeskirche durch die Bankenkrise vermutlich bis zu 4,3 Millionen Euro verloren hat. "Mit dem Anvertrauten sinnvoll für andere umzugehen, wäre einer der Leitsätze, der durchaus biblische Tradition hat."
Der sächsische Landesbischof Bohl befürchtet schwerwiegende Auswirkungen der Finanzkrise auf die armen Länder Afrikas und Asiens. Es sei "empörend", dass die Menschen in diesen Staaten nun die Zeche für die Exzesse der Reichen zahlen müssten, sagte er mit Blick auf Befürchtungen, dass die versprochene Erhöhung der weltweiten Entwicklungshilfe wegen der Krise ausbleiben könnte.

Der Seniorchef der ältesten bayerischen Privatbank, Albrecht Fürst zu Castell-Castell, sagte dem epd, freie Marktwirtschaft brauche einen Ordnungsrahmen und strenge Kontrollen, um den Machtwillen und Egoismus zu begrenzen. Das Rezept dafür laute Treue und Wahrhaftigkeit. "Treue im Beruf des Bankkaufmanns bedeutet gründliches Prüfen und nur überschaubare Risiken eingehen", sagte der langjährige Vorsitzende der Fürstlich Castell'schen Bank.

Der Theologe und Sozialethiker Wolfgang Nethöfel empfahl Managern: "Wenn Ihr lange statt schnell Geld verdienen wollt, braucht ihr Ethik. Das wirkt stabilisierend." Eine "Mischung aus Gier und Gelegenheit" sei Ursache der derzeitigen Finanzkrise. "Zur Wahrheit gehört, dass die meisten von uns bis vor kurzem profitiert haben: durch niedrige Preise und durch einen im internationalen Vergleich immer noch hohen Lebens- und Sozialstandard", sagte Nethöfel dem epd in Marburg.

Der Wirtschaftsethiker Josef Wieland warnte davor, in der Krise über individuelles Versagen und Managergier zu klagen. Dies lenke von dem eigentlichen Problem einer weltweit fehlenden Regulierung der Finanzmärkte ab, sagte der Wissenschaftler dem epd. "Es ist völlig klar, dass Menschen gierig sind. Das beschäftigt uns schon mehr als 2.500 Jahre." Die Frage sei, wie die Menschen damit umgehen.

Ferner kritisiert der an der Hochschule Konstanz lehrende Wissenschaftler den Mangel an Regeln für den globalen Finanzmarkt und deren Durchsetzung. Er verglich dazu die weltweite Wirtschaft mit einer Fußball-Weltmeisterschaft, bei der es keine Schiedsrichter gibt und jede Mannschaft nach ihren eigenen Regeln spielt. "Wir wissen ziemlich genau, wie so eine WM ablaufen würde."

(epd Niedersachsen-Bremen/b2841/12.10.08)
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