Bischöfin Käßmann kritisiert Banken und Spekulanten

Nachricht 08. Oktober 2008

Bissendorf/Kr. Osnabrück (epd). Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann hat Banken und Spekulanten für ihr Vorgehen in der aktuellen Finanzkrise kritisiert. Sie sei irritiert, dass ausgerechnet diejenigen, die sich immer gegen ethische und soziale Maßstäbe in der Finanzwelt verwahrt hätten, jetzt den Staat um Hilfe riefen, sagte sie vor Journalisten in Bissendorf bei Osnabrück. Zum Generalkonvent hatten sich dort rund 170 der insgesamt 200 Pastorinnen und Pastoren im Sprengel Osnabrück versammelt.

Ebenso habe sie die Annahme der Spekulanten erstaunt, man könne Geld verdienen, ohne zu arbeiten: "Irgendjemand muss nämlich letztlich doch arbeiten, und das sind nicht zuletzt die Menschen in der Dritten Welt, die dies oft genug für Dumpinglöhne tun", sagte die evangelische Bischöfin.

Auch der Geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes in Hannover, Arend de Vries, warnte davor, einem auf kurzfristigen Erfolg ausgelegten Wirtschaftssystem zu vertrauen. Der Osnabrücker Landessuperintendent Burghard Krause sagte, die Kirche müsse auch ein Sprachrohr für diejenigen sein, die Kontrollen und soziale Kriterien für den Markt forderten: "Turbokapitalismus ist blind für jegliche Ethik."

De Vries und Käßmann betonten, die hannoversche Landeskirche habe in der Finanzkrise kein Geld verloren. "Wir sind sehr konservativ in unserer Geldanlage", sagte die Bischöfin. Lediglich zehn Prozent dürften in Aktienfonds investiert werden. Der Rest sei in festverzinslichen Papieren und Schatzbriefen sicher angelegt - "soweit Geld heutzutage überhaupt noch sicher sein kann", fügte sie hinzu. Die oldenburgische Landeskirche hatte bei der Pleite gegangenen US-Investmentbank "Lehman Brothers" rund 4,3 Millionen Euro angelegt, die wahrscheinlich verloren sind.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2813/08.10.08)
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