Erntedankfest - und die Welt hat trotzdem Hunger

Nachricht 01. Oktober 2008

Stuttgart (Brot für die Welt). Am nächsten Sonntag wird wieder in vielen Kirchengemeinden das Erntedankfest gefeiert. Allerdings vor einem düsteren Hintergrund: denn nach jüngsten Angaben der Welternährungsorganisation FAO hungern immer mehr Menschen auf der Erde. Ende 2007 lag die Zahl bei unfassbaren 923 Millionen Menschen - Tendenz steigend.

Dabei mangelt es nach Ansicht der evangelischen Hilfsaktion "Brot für die Welt" keineswegs an Nahrungsmitteln. "Die auf der Welt produzierten Lebensmittel würden ausreichen, um alle Menschen satt zu bekommen", so die Koordinatorin der Kampagne "Niemand isst für sich allein", Carolin Callenius. "Brot für die Welt" hat deshalb vor einem Jahr die Bundesbürger aufgefordert, sich an einer Unterschriftenaktion zu beteiligen. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, sich stärker als bislang für die Ernährungssicherung in den Ländern des Südens einzusetzen.

"Der überwiegende Teil der Hungernden lebt auf dem Land", stellt Carolin Callenius fest, deshalb müsse gerade diesen kleinen Produzenten ein besonderer Schutz gewährt werden. Es sei der falsche Weg, wenn die Europäische Union auf eine Marktöffnung zum Beispiel in Afrika dränge. Denn mit dem Export von subventionierten Agrarüberschüssen aus Europa werde gerade in den ärmsten Ländern der Aufbau einer funktionierenden Agrarstruktur gefährdet.

Begrüßenswert sei allerdings die Initiative von EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boehl. Fischer-Boehl will eine Milliarde Euro aus dem Agrarhaushalt der Europäischen Union umschichten. Das Geld soll gezielt in die Förderung der Ernährungslage in Entwicklungsländern eingesetzt werden. "Aus unserer Sicht setzt die Kommission damit das richtige politische Zeichen", erklärt Bernhard Walter, Landwirtschaftsexperte bei "Brot für die Welt". Doch diese Mittel sollten weder mit der Gießkanne ausgeschüttet noch dafür eingesetzt werden, die Landwirtschaft weiter zu industrialisieren. "Wir haben allen Grund dankbar zu sein für den Reichtum dieser Erde", so Walter weiter. Doch müssten jetzt alle politischen Entscheidungen daraufhin überprüft werden, ob sie das Recht auf Nahrung respektieren.

Mehr Informationen unter: www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/
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Peter Liebe, Pressereferent,
Tel. 0711/2159-186 oder 0174/30 20 158
Carolin Callenius, Tel. 0711/2159-741