Landesbischöfin: Fundraising ist wichtig für kirchliche Arbeit / Fundraiser der Kirche nehmen Großspenden in den Blick

Nachricht 25. September 2008

Hannover (epd). Das Fundraising ist nach Ansicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann ein wichtiger Bestandteil der kirchlichen Arbeit. Um alle Aufgaben wahrnehmen zu können, sei eine Finanzierung durch Kirchensteuern, Spenden, Stiftungen oder Sponsoring nicht mehr wegzudenken, sagte Käßmann am Donnerstag bei der Eröffnung der "kollekta 2008" in Hannover. Zu der bundesweit wichtigsten Fachtagung zum Fundraising in der Kirche waren rund 200 haupt- und ehrenamtliche Spendensammler aus Kirche, Diakonie und Caritas gekommen.

Die Bischöfin sprach sich für eine inhaltliche Klärung des Begriffs aus. Nötig sei eine christlich verantwortete Ethik des Gebens, Nehmens und des Weitergebens. Dies sei klassisches Fundraising. Ohne eine solche Ethik komme das Fundraising nicht aus der Ecke des Lückenbüßers heraus: "Es wird immer unter dem Vorwurf leiden, allein die zurückgehenden Kirchensteuer-Mittel kompensieren zu sollen."

Bei den Projekten müsse es stets um Veränderung gehen, sagte Käßmann weiter: "Fundraising schildert Not, um ihr abzuhelfen. Am Ende soll alles gut oder zumindest besser sein." Deshalb müsse immer wieder genau abgewogen werden, welche Vorhaben vertretbar und nötig und welche wünschenswert, aber nicht zu vermitteln seien: "Wir werden möglichen Gebern Projekte anbieten, und dabei ihre Würde wie auch die der Empfänger ernst nehmen."

Die Kirchen hätten Kenntnis, Sensibilität und Erfahrung im guten Umgang mit Menschen, sagte Käßmann: "Wenn wir dieses Potenzial nutzen, können wir in verantworteter Weise Maßstäbe setzen für qualitativ gutes und damit langfristig erfolgreiches Fundraising in der Kirche und weit darüber hinaus."

Internet: www.kollekta.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b2701/25.09.08)
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Fundraiser der Kirche nehmen Großspenden in den Blick

Hannover (epd). Kirchliche Fundraising-Experten wollen künftig verstärkt Großspender in den Blick nehmen. Es gebe Menschen, die bereit seien, größere Summen von bis zu 50.000 Euro zu geben, sagte der Fundraising-Beauftragte der hannoverschen Landeskirche, Paul Dalby, in einem epd-Gespräch anlässlich der bundesweiten Fachtagung "kollekta 2008" am Donnerstag in Hannover. Die Kirche genieße bei diesen möglichen Spendern als bewährte Organisation mit klaren Haushaltsregeln einen Vertrauensvorschuss: "Die Türen sind nicht verschlossen, aber wir müssen anklopfen."

In den angelsächsischen Ländern seien die Fundraiser im Umgang mit Großspendern schon wesentlich weiter, sagte Dalby. In den deutschen Kirchen gebe es bisher vereinzelt Großspenden, vor allem Erbschaften an Stiftungen. "Wer einen größeren Betrag spendet oder eine Erbschaft in Aussicht stellt, möchte anerkannt und wertgeschätzt werden", sagte Dalby. Er erwarte Transparenz und Informationen darüber, wofür das Geld verwendet wird.

In der Kirche müsse allerdings das Spenden-Marketing strikt von der Seelsorge getrennt werden. Auch eine große Spende begründe keinen Anspruch auf eine Dienstleistung, sagte Dalby: "Seelsorge ist nicht käuflich, wir machen uns nicht abhängig." Kirchliche Spendensammler müssten sensibel dafür sein, wann Fundraising in Seelsorge übergehe, und dann entweder das eine oder das andere in andere Hände legen: "Wir dürfen nicht in den Geruch kommen, dass hier etwas vermischt wird."

Laut Dalby können bis zu 30 Prozent des Haushaltes einer Kirchengemeinde durch gutes Spenden-Marketing abgedeckt werden: "Die Voraussetzung ist eine gute Gemeindearbeit." In der hannoverschen Landeskirche hätten 80 Prozent der insgesamt 57 Kirchenkreise einen Fundraising-Beauftragten. Die Zahl der Stiftungen sei auf 320 angewachsen, damit sei Hannover unter den evangelischen Landeskirchen in Deutschland führend. Zudem gebe es Fördervereine und Sponsoring. Zur Fachtagung "kollekta" trafen sich rund 200 Fundraiser aus Kirche, Diakonie und Caritas.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2705/25.09.08)
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