NDR-Kultur am Sonntag, 28. September, 20.00 Uhr: "Der siebte Tag" / Landesbischöfin: Sonntagsarbeit setzt Spirale ohne Ende in Gang

Nachricht 24. September 2008

Diskussion "Wem gehört der Sonntag" und Kulturgeschichte des Sonntags

Höhepunkte der Podiumsdiskussion "Wem gehört der Sonntag"
vom 23. September 2008 in der Neustädter Kirche in Hannover sendet
NDR-Kultur am Sonntag, 28. September, 20.00 bis 21.55 Uhr.

Die Sonntags-Diskussion wird zusammen mit einem einstündigen Feature unter dem Titel "Der siebte Tag" zur Kulturgeschichte des Sonntags (Autor: Michael Hollenbach) gesendet.

(Frequenz Hannover 98.7 - weitere Frequenzen und Sendeinformationen: www.ndr-kultur.de)

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Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat davor gewarnt, am Sonntag generell die Geschäfte zu öffnen. Dies setze eine unheilvolle Spirale ohne Ende in Gang, sagte sie am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung des NDR in Hannover: "Wenn viele am Sonntag einkaufen wollen, müssen auch viele andere arbeiten." Dann gerieten etwa alleinerziehende Verkäuferinnen unter Druck, und es werde sich die Frage stellen, ob auch die Kindergärten am Sonntag geöffnet werden sollten. Dann wiederum müssten die Erzieherinnen arbeiten.

"So wird das Gewebe, das die Gesellschaft zusammenhält, zerstört", sagte Käßmann. Ohne einen gemeinsamen Ruhetag gingen Solidarität und Gemeinschaft verloren: "Ich fürchte, die Gesellschaft wird egomanisch, wenn jeder nur noch für sich selbst plant." Gerade in der betriebsamen Hektik der Gegenwart, die von Handys und Mobilität geprägt sei, seien Pausen dringend nötig: "Für tiefere Fragen brauchen wir mehr als zwei Minuten Ruhe." Ohne den Rhythmus von Schaffen und Ruhen drohe ein kollektives Burn-out-Syndrom.

Der Bonner Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder sagte, bestimmte Lebensrhythmen seien dem Menschen vorgegeben, etwa durch Tag und Nacht oder die Jahreszeiten: "Solchen Rhythmen Rechnung zu tragen ist allen Kulturen auf der Welt gemeinsam." Rhythmen wie die Woche seien nötig, um die Zeit und das eigene Leben erfahrbar zu machen.

"Wenn wir diesen Rhythmus abschaffen, wird das Pendel zurückschlagen", sagte Hirschfelder. Die Vereinzelung werde zunehmen, Familienstrukturen würden zerstört. Dies werde auch den Motor der Wirtschaft ins Stottern bringen. Die zunehmende Zahl der Freiberufler und die vermehrte Erwerbsarbeit am Computer, die auch von zu Hause aus möglich sei, bringe es allerdings heute mit sich, dass sich immer mehr Arbeit auf den Sonntag verlagere.


(epd Niedersachsen/Bremen/b2686/24.09.08)
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