Viele Heimopfer rufen bei Hotline der Diakonie an

Nachricht 22. September 2008

Telefon: 0511/3604-344 (werktags von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr)

Hannover (epd). Mitarbeiter des Diakonischen Werks der hannoverschen Landeskirche haben bis Montag rund 40 Telefon-Gespräche mit Opfern von Misshandlungen in kirchlichen Erziehungsheimen geführt. "Das waren sehr intensive Gespräche, bei denen die Menschen ihre Geschichte erzählt haben", sagte Diakonie-Sprecher Bernd Prigge am Montag dem epd. Die Anrufe seien nicht nur aus Niedersachsen, sondern aus ganz Deutschland gekommen. Auch Opfer aus katholischen Einrichtungen hätten sich gemeldet.

Die Anrufer berichteten, unter welchen Umständen sie in die Heime gekommen seien und was ihnen dort widerfahren sei. Viele seien geschlagen und durch die Mitarbeiter gedemütigt worden. Unter anderem habe ein Bettnässer in seine durchnässte Decke gehüllt inmitten eines Raums stehen müssen. Andere Opfer hätten berichtet, dass sie barfuß auf blanken Fließen stehen mussten.

"Viele erzählen aber auch, dass die Einrichtungen für sie ein Stück Heimat geblieben sind", sagte Prigge. Von den Gesprächen würden Protokolle verfasst, die von dem Leiter des Diakonie-Projekts "Gewalt und Unrecht in der Heimerziehung der 50er und 60er Jahre", Hans Bauer, ausgewertet werden.

Ursprünglich sollte die Nummer nur bis Montag geschaltet sein, doch nun werde über eine Verlängerung nachgedacht. Die Hotline wurde in der vergangenen Woche eingerichtet, nachdem bekannt wurde, dass es in den kirchlichen Einrichtungen Misshandlungen bis hin zu sexuellem Missbrauch gegeben hatte. Prügelstrafen und Schikanen seien in manchen Heimen an der Tagesordnung gewesen, hieß es.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2661/22.09.08)
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