Hannover im Gospelfieber

Nachricht 05. September 2008


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Eine ganze Stadt im Gospelfieber -
Rund 60.000 Menschen feiern Gospelkirchentag in Hannover

Von Michael Grau und Thomas Paterjey

Hannover (epd). Schon von weitem dröhnen Bässe und Schlagzeug, Pianos und E-Gitarren durch die Straßen. Vier Open-Air-Bühnen versetzen an diesem Wochenende die hannoversche Innenstadt ins Gospel-Fieber. Vor dem Neuen Rathaus bringen die schwarzen Sängerinnen und Sänger des "London Community Gospel Choir" in ihren rot-schwarzen Kostümen die Menge mit angesagtem Funk-Pop zum Kochen. "Too much energy for you?", ruft der Solist ins Mikrofon. "You wanna dance some more?"

Rund 4.000 Dauerteilnehmer haben sich zu dem bundesweiten Treffen der Gospelszene angemeldet, um die Stars der Szene zu erleben und Impulse für den Gospelchor nach Hause mitzunehmen. 60.000 Zuhörer wurden an den Bühnen gezählt - mehr als jemals zuvor. Bundesweit gibt es Schätzungen zufolge inzwischen 3.000 Gospelchöre mit rund 120.000 Sängerinnen und Sängern. Und die Szene werde weiter wachsen, sagt der Geschäftsführer des Gospelkirchentages, Martin Bartelworth aus Witten im Ruhrgebiet: "Gospel hat eine niedrige Hemmschwelle."

Das Erfolgsgeheimnis sieht er in der einzigartigen Verbindung von Chor und eingängiger Popmusik: "Die Klangfarbe entspricht dem, was man im Radio hört." Während sich auf der einen Seite viele Chöre auf Klassik und Volksmusik beschränken und auf der anderen Seite Popsongs nur von wenigen Musikern gemacht werden, bringt Gospel beides zusammen. "Der moderne Kirchenchor ist der Gospelchor", sagt Barthelworth: "Wenn wir so gefördert werden wie die klassischen Chöre, kriegen wir noch mehr Dynamik."

In Hannover ist diese Dynamik zu besichtigen. Vor dem Rathaus tanzt der harte Kern der Fans vor der Bühne mit erhobenen Armen zur Musik der Londoner Gospel-Stars. Andere beobachten das Geschehen aus sicherer Distanz, und manche merken gar nicht, dass sie bereits selbst mit dem Fuß zucken. Zwischen "Yeah, yeah" und "Oh Lord" folgen immer wieder kleine Predigteinlagen über Jesus und den Glauben an ihn: "That's what the music is about, this is, what dancing is about."

Valentin (14), Julia (13) und Anja (18) gehen bei den Auftritten begeistert mit: "Wir sind totale Gospel-Fans, sonst wären wir nicht hier." Zuhause in Meißen singen die drei Teenies im Gospelchor "St.
Afra": "Für uns ein wichtiges Jugendangebot."
Pastorin Heike Schneider (50) aus der Nähe von Kassel und ihre Tochter Julia (24) haben in Hannover mit anderen sogar eine ganze U-Bahn zum Singen gebracht. Einziger Wermutstropfen beim Gospelsingen für sie: "Alle Lieder sind auf Englisch."

Obwohl Gospel ursprünglich eine Musik der Schwarzen ist, können auch Weiße guten Gospel machen, sagt Dieter Falk, der künstlerische Leiter des Festivals: "Wenn sie richtig angeleitet werden, können sie diese Dynamik reinbringen." Falk ist einer von Deutschlands erfolgreichsten Musikproduzenten und saß in der Jury der Fernseh-Casting-Show "Popstars"
auf Pro 7.

In der Kirche lässt Gospel zwischen Chor und Gemeinde einen Funken überspringen, sagt er: "Deswegen sind so viele dabei, die sonst nicht in die Kirche gehen. Sie spüren: Hier weht ein besonderer Geist."

(epd Niedersachsen-Bremen/b2477/06.09.08)
(epd Niedersachsen-Bremen/b2463/05.09.08)
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Hannover (epd). Mit einer musikalischen Feier unter freiem Himmel ist am Freitagabend in Hannover der 4. Internationale Gospelkirchentag eröffnet worden. Die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann bezeichnete sich auf der Bühne vor dem Rathaus, sie sei ein "echter Fan" der Gospelmusik: "Das ist ein Rhythmus, bei dem jeder mit muss", sagte sie. Gospel transportiere elementare christliche Botschaften und vermittele Hoffnung: "Ich wünsche mir, dass Gospel den Glauben an Jesus Christus weitererzählt und Menschen Mut macht, zu diesem Glauben zu stehen."

Zu dem dreitägigen Festival haben sich mehr als 4.000 Dauerteilnehmer angemeldet. Bis zum Sonntag werden an den Open-Air-Bühnen und in Kirchen in der Innenstadt rund 40.000 Besucher erwartet. Neben rund 200 Chören aus elf Ländern wird am Sonnabend der US-amerikanische Gospelsänger Kirk Franklin erstmals in Deutschland auftreten. Er gilt nach Angaben der Initiatoren als Superstar der Gospel-Szene und hat bereits fünf Grammys gewonnen. Zu dem Konzert am Abend werden rund 5.000 Zuschauer erwartet.

Zum Auftakt des Treffens luden am Freitagabend mehr als 30 hannoversche Kirchen während der "Langen Nacht der Kirchen" zu Gospel-Konzerten mit 61 Chören ein. Das Festival schließt am Sonntagnachmittag mit einem Gottesdienst mit Bischöfin Käßmann.

Veranstalter des Festivals ist die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Kosten von 500.000 Euro werden von der Landeskirche mit 100.0000 Euro und der EKD mit 50.000 Euro bezuschusst. Der Rest setzt sich aus Sponsorengeldern und Teilnehmerbeiträgen zusammen. Nach Schätzungen engagieren sich bundesweit rund 120.000 Sängerinnen und Sänger in rund 3.000 Chören. Das Durchschnittsalter liegt bei 34 Jahren.

Der Gospelkirchentag findet seit 2002 alle zwei Jahre statt. Zuletzt war er zu Gast in Düsseldorf. Im Jahr 2010 trifft sich die Gospelszene in Karlsruhe.

Internet: www.gospelkirchentag.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b2463/05.09.08)
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