„Gesellschaftlicher Wandel und Herausforderung Ehrenamt“

Nachricht 05. September 2008

Tagung des Landesarbeitskreises Handwerk und Kirchen im Michaeliskloster Hildesheim

Bei der Studientagung des Landesarbeitskreises Handwerk und Kirchen am 2. September im Michaeliskloster Hildesheim stand das Bürgerschaftliche Engagement im Mittelpunkt. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Landessuperintendent Eckhard Gorka hatte zum Thema: „Herausforderung Ehrenamt: Gestaltungsaufgabe für Staat und Gesellschaft“ eingeladen. Zahlreiche ehrenamtliche und hauptamtliche Funktionsträger des südniedersächsischen Handwerks waren erschienen.

Wie sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weiter entwickeln werden und was dies für das bürgerschaftliche Engagement bedeutet, zeigte Referentin Sonja Kubisch vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) in Berlin auf. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin nannte drei Kennzeichen des gesellschaftlichen Wandels: 1. Der Anteil der älteren Menschen gegenüber Erwerbstätigen werde weiter steigen. 2. Immer mehr Erwerbstätige müssten sich auf berufliche Unterbrechungen und Veränderungen einstellen und schließlich 3. der Wandel des Sozialstaates. Künftig müssten die Akteure der sozialen Sicherung stärker kooperieren. Vor allem bei älteren Menschen sei die Bereitschaft da, „die Gesellschaft im Kleinen zu verändern“ und auf Problemlagen zu reagieren. Kubisch wies darauf hin, dass es im freiwilligen Engagement Veränderungen bei der Motivation gegeben habe und die Menschen mehr mitgestalten und mitbestimmen wollten. Dafür müssten die Organisationen Freiräume schaffen, wenn ihnen an der Mitarbeit von Freiwilligen gelegen sei.

Adalbert Mauerhof von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen und – zentren in Niedersachsen zeigte auf, wie das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen in Organisation gelingen kann. „Ein offenes Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen in Organisationen ist die Basis für eine offene und am Gemeinwohl orientierte Gesellschaft“, sagte der Referent aus Hannover, der auch als Mediator tätig ist.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass im Bereich des Handwerks das Ehrenamt andere Rahmenbedingungen hat als in der sozialen Arbeit: Der Kreis der Engagierten ist beschränkt auf die Innungsmitglieder. Diese Zahl gehe in manchen Handwerksbereichen deutlich zurück. Bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten in den Organisationen des Handwerks sind gesetzlich vorgeschrieben. Trotz dieser Unterschiede sorgten die beiden Vorträge für anregenden Diskussionsstoff.

So wurde überlegt, wie das ehrenamtliche Engagement attraktiver gestaltet werden könnte. So würden bei den Wirtschaftsjunioren speziell für Funktionsträger Fortbildungen in Rhetorik und Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Insbesondere das Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen sei in diesem Bereich im Auge zu behalten. Es könne leicht zum Konflikt kommen, wenn die hauptamtlichen Geschäftsführer der Kammer ihren Informationsvorsprung gegenüber den ehrenamtlich tätigen Handwerksmeister ausnutzten.

Zum Landesarbeitskreis Handwerk und Kirchen in Niedersachsen gehören neben kirchlichen Vertretern die Präsidenten und Vizepräsidenten von Handwerkskammern, Kreishandwerksmeister und Innungsobermeister. Zur Tagung erschienen waren zudem Mitglieder der Junioren des Handwerks und der Unternehmerfrauen im Handwerk. Aus der Gruppe der hauptamtlich in der Handwerkerschaft Tätigen waren Geschäftsführer von Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften und Innungen gekommen. Die Vorbereitung der Tagung lag in den Händen von Karola Schmidt, Referentin im Haus kirchlicher Dienste der Hannoverschen Landeskirche und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Landesarbeitskreis.

Göttingen, 4. September 2008
Informations- und Pressestelle im Sprengel Hildesheim-Göttingen
Bernd Ranke