Hannoverscher Altbischof Horst Hirschler wird 75 Jahre alt

Nachricht 04. September 2008

Ein Abt, der auch Goldschmied ist

Hannover/Loccum (epd). Die große Begeisterung für die evangelische Kirche ist bei Horst Hirschler ungebrochen. Auch wenn der Altbischof der hannoverschen Landeskirche am Donnerstag (4. September) seinen 75. Geburtstag feiert, ist Hirschler von einem traditionellen Ruhestand weit entfernt. Seit acht Jahren engagiert er sich vor allem als 64. Abt des 1163 gegründeten Zisterzienser-Klosters Loccum in der Nähe des Steinhuder Meeres dafür, das reiche spirituelle Erbe der mittelalterlichen Klostergemeinschaft lebendig zu halten.

Seitdem Hirschler als 16-jähriger Lehrling Schülerbibelkreise betreute, will er den Menschen die biblische Botschaft möglichst praxisnah vermitteln. Seine Theologie sollte stets konkret und handwerklich sein. Die Bewunderung für das Handwerk ist ein Angelpunkt im Leben des gebürtigen Stuttgarters: Nach der Mittleren Reife machte Hirschler bei Bosch in Hildesheim eine Elektriker-Lehre, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Sein Abitur holte er als junger Mann am Abendgymnasium nach.

Schon damals faszinierte ihn als Hobby das Goldschmieden. Doch zunächst wurde er Pastor und 1988 Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers - der größten Landeskirche in Deutschland. Nach elf Jahren reichte Hirschler das Bischofskreuz 1999 an seinem 66. Geburtstag an seine Nachfolgerin Margot Käßmann weiter.

Bis zu diesem Tag stand der Lutheraner auch sechs Jahre an der Spitze der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands. Seine Leidenschaft für Martin Luther und dessen Lehre hat er sich bis heute bewahrt. Zum Reformationstag im vergangenen Jahr schrieb Hirschler das Lesestück "Paul Gerhardt trifft Martin Luther": "Da habe ich mir dann die Perücke aufgesetzt, die Hosenbeine hochgekrempelt und als Luther losgelegt", erinnert er sich schmunzelnd.

Ein Jahr nachdem ihn im Juni 2000 sein Vorgänger, Altbischof Eduard Lohse, als Abt zu Loccum eingeführt hatte, erfüllte sich Hirschler endlich seinen Jugendtraum. In der Goldschmiede-Werkstatt des katholischen Klosters Münsterschwarzach bei Würzburg ließ er sich mit seiner gewohnten Liebe zum Detail in die alte Kunst einführen. Mit Erfolg, denn seitdem hat er unter anderem für die Klosterkirche in Loccum einen Abendmahlskelch und vor kurzem einen Anhänger für Pilger entworfen.

Dieses "Radkreuz" ist auch das Symbol des Pilgerweges von Loccum nach Volkenroda in Thüringen. Das silberne Kreuz auf goldenem Hintergrund soll für das Kreuz Christi im Licht der aufgehenden Ostersonne stehen. Die Botschaft von Kreuzigung und Auferstehung ist für den Abt das Zentrum des Evangeliums: "Auch wenn es einem Menschen richtig dreckig geht, wird er doch stets von Gott gehalten."

Deshalb macht es ihm Sorgen, dass immer weniger junge Menschen in den christlichen Glauben hinein wachsen. Ein Leben ohne Gott ist für ihn unvorstellbar. Einem Philosophen, der von sich sagte, er könne mit Gott nichts anfangen, warf Hirschler in einer Diskussion schon mal eine "Eintagsfliegen-Existenz" vor: "Wenn Sie nicht nach Gott fragen, dann leben Sie unter Niveau."


Ulrike Millhahn
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Altbischof Horst Hirschler wird 75 Jahre alt

Hannover/Loccum (epd). Horst Hirschler, Altbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, wird am Donnerstag (4. September) 75 Jahre alt. Hirschler war von 1988 bis 1999 Bischof der größten evangelischen Landeskirche. Seine Nachfolgerin wurde Margot Käßmann. Seit 1993 war er außerdem Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Vor acht Jahren wurde der gebürtige Stuttgarter Abt des 1163 gegründeten Zisterzienser-Klosters Loccum in der Nähe des Steinhuder Meeres. Mit dem Amt verbunden ist auch die Mitgliedschaft in der hannoverschen Landessynode und der Vorsitz der Trägerversammlung der Versicherungsgruppe Hannover (VGH). Weiterhin ist Hirschler Vorsitzender des Trägervereins der Evangelischen Sozialakademie Friedewald.

1992 wurde Hirschler mit der Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule Leipzig ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wurde er Ehrensenator der Universität Göttingen. Das Land Niedersachsen ehrte ihn 2004 mit der Niedersächsischen Landesmedaille, der höchsten Auszeichnung des Bundeslandes. Bis zur Einstellung des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblattes" im Jahr 2000 war Hirschler der Herausgeber dieser Zeitung. Danach trug er zur Gründung und zum Aufbau der Zeitschrift "Chrismon" bei.

Horst Hirschler lernte in Hildesheim Elektriker, bevor er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur machte. Theologie studierte er in Bethel, Tübingen, Heidelberg und Göttingen. Nach fünf Jahren als Gemeindepastor in Lüneburg wurde er 1970 Konventual-Studiendirektor am Predigerseminar Loccum und sieben Jahre später Landessuperintendent im Sprengel Göttingen. 1988 wählte ihn die Landessynode zum Nachfolger von Bischof Eduard Lohse.

Von 1971 bis 1977 war Hirschler Mitglied der Landessynode. Er war einer der Gründer der kirchenreformerischen "Gruppe Offene Kirche" (GOK). Als Abt schloss er sich dann der konservativeren Gruppierung "Lebendige Volkskirche" (LVK) an. Von 1979 bis 1988 gehörte er der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an und von 1991 bis 1997 ihrem höchsten Leitungsgremium, dem Rat. Von 1990 an war er außerdem sieben Jahre lang einer der Vizepräsidenten des Lutherischen Weltbundes.

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