Mehr Druck gegen Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen

Nachricht 28. August 2008

Osnabrück (epd). Immer mehr Kommunen, Kirchen und Verbände in Deutschland machen Druck gegen Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen. 118 Städte und Gemeinden haben derzeit nach Angaben der Initiative "Aktiv gegen Kinderarbeit" Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit verboten. Der Bundestag werde noch in diesem Jahr ein Gesetz verabschieden, das diese Verbote ausdrücklich unterstütze, sagte Experte Benjamin Pütter am Donnerstag dem epd. Evangelische und katholische Kirchen wollen Vorschriften zu Grabsteinen in den Friedhofsordnungen entsprechend ändern oder haben das bereits getan.

Auch der Verband der Steinmetze habe neuerdings Verhandlungsbereitschaft für die Übernahme des von ihm initiierten "Xertifix-Siegels" signalisiert, sagte Pütter. Es sei das bislang einzige seriöse Siegel gegen Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen. Noch vor einem Jahr hatte sich Verbandspräsident Martin Schwieren skeptisch zur Arbeit des Vereins "Xertifix" geäußert.

Pütter, evangelischer Theologe in Diensten des katholischen Hilfswerks misereor, kontrolliert nach eigenen Angaben mit Hilfe von "Xertifix India" Steinbrüche in Indien und kümmert sich um die von der Arbeit befreiten Kinder. Kontrollierte Ware für Grabsteine, Pflastersteine oder Gartenplatten bekomme das "Xertifix-Siegel". Vorsitzende des Vereins sind der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) und misereor-Geschäftsführer Josef Sayer. Die Geschäftsführung werde er 2009 für zunächst drei Jahre erstmals hauptamtlich übernehmen, kündigte Pütter an. Das sei ein Indiz für die zunehmende Akzeptanz des Vereins.

Die Evangelisch-reformierte Kirche hatte bereits im Februar eine neue Friedhofsverordnung erlassen, nach der für jeden Grabstein ein schriftlicher Nachweis über die Produktionsbedingungen vorgelegt werden muss. Das könne zwar nur eine Empfehlung für die bundesweit rund 130 Friedhöfe sein. In der Regel kämen die Gemeinden diesen aber nach, sagte Pressesprecher Ulf Preuß. Kirchenpräsident Jann Schmidt betonte: "Wenn man Bilder gesehen hat, wie Kinder in den Steinbrüchen Indiens arbeiten, dann kann man gar nicht anders als sich für 'fair gehandelte' Grabsteine entscheiden."

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers habe eine ähnliche Musterfriedhofsordnung in Arbeit, die sogar verbindlich sein werde, sagte der Osnabrücker Landessuperintendent Burghard Krause. Er wird das Thema an diesem Freitag in Osnabrück mit Pütter, Kirchenpräsident Schmidt und eine Vertreterin der katholischen Kirche diskutieren. Auch das Bistum Osnabrück hat nach eigenen Angaben eine neue Musterfriedhofsordnung aufgelegt, in der Grabsteine aus Kinderarbeit verboten sind.

Krause warnte vor gefälschten Siegeln, die im Umlauf seien. Auch Pütter sagte, es gebe außer dem "Xertifix-Siegel" weder staatliche indische noch sonstige Zertifikate, die auf tatsächlichen Kontrollen basierten.

Internet: www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de, www.xertifix.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b2348/28.08.08)
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