Experten: Wandel auf dem Land erfordert neue Konzepte

Nachricht 28. August 2008

Uelzen/Lüchow (epd). Experten aus Kirche und Diakonie warnen angesichts der demografischen Entwicklung vor einem tiefgreifenden Wandel in ländlichen Regionen. Schon heute gebe es in Niedersachsen bei Braunschweig, im Harz oder auch im Landkreis Lüchow-Dannenberg Dörfer, in denen nur noch wenige, alte Menschen lebten, sagte der kirchliche Experte, Propst Stephan Wichert-von Holten. Der evangelische Propst aus Lüchow gehört zu den Rednern, die bei einem Fachtag am 10. September in Uelzen unter dem Titel "Leben im ländlichen Raum" neue Ansätze für ein soziales Netzwerk entwickeln wollen.

In Dörfern, die tagsüber nicht belebt seien, bestehe die Gefahr, dass alle Gemeinschafts- und Hilfssysteme zerreißen, erläuterte der ehemalige Leiter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande der hannoverschen Landeskirche, Wichert-von Holten: "Der Nachbar, der bei der Arbeit ist, kann nicht helfen." In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gebe es bereits Orte, die aufgegeben wurden, sogenannte Wüstungen. Grund dafür, dass vor allem jüngere Menschen wegzögen, sei die schwindende Infrastruktur. Die steigenden Energiepreise beschleunigten den Wandel noch.

Der Leiter des Diakonischen Werks Uelzen, Jörg Stoffregen, sagte: "In den Dörfern bleiben die Alten und die Armen zurück." Er kenne Hartz-IV-Empfänger, die wegen einer günstigeren Miete aufs Land gezogen seien: "Aber die Kosten für Mobilität steigen. Das wird am Ende teurer und die Menschen sind weniger flexibel." Oft gebe es nicht einmal mehr ausreichende Busverbindungen. Beim Fachtag stellt Stoffregen unter anderem das Projekt eines "Kirchenbullis" vor, der über die Dörfer fährt.

Laut Wichert-von Holten werden jedoch auch Menschen auf das Land ziehen, die eine hohe Lebensqualität schätzten und sich auch leisten könnten. Unter ihnen sieht der Experte eine wachsende Bereitschaft dafür, sich für andere einzusetzen. Bei dem Fachtag, den die Diakonie in Uelzen gemeinsam mit dem Diakonischen Werk der hannoverschen Landeskirche plant, wird es auch um neue Formen bürgerlichen Engagements gehen. "Helfende Strukturen zu schaffen ist ein aktiver Beitrag zu Regionalentwicklung", sagt Wichert-von Holten.

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(epd Niedersachsen-Bremen/b2337/28.08.08)
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