Diakonin wird erste Seelsorgerin an öffentlicher Schule

Nachricht 25. August 2008

Pewsum/Kr. Aurich (epd). Die Diakonin Christine Kruse ist die erste Schulseelsorgerin an einer öffentlichen Schule in Niedersachsen. "Wir müssen dahin gehen, wo die Jugendlichen sind", sagte die 38-Jährige am Montag bei der Vorstellung des Pilotprojektes in der Haupt- und Realschule Krummhörn im ostfriesischen Pewsum. Künftig wird die evangelische Diakonin an der Schule mit rund 700 Kindern mehrere freiwillige Gruppen am Nachmittag anbieten und in einem noch im Bau befindlichen "Raum der Stille" für Gespräche zur Verfügung stehen.

Das Projekt sei eine Kooperation der Schule, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Pewsum und Woquard und der hannoverschen Landeskirche, sagte Kruse. Der größte Teil der Finanzierung mit 40.000 Euro wird nach ihren Angaben vom Innovationsfonds der Landeskirche getragen. Die Klosterkammer Hannover steuert 20.000 Euro bei, die Kirchengemeinden geben weitere 19.000 Euro.
Die politische Gemeinde Krummhörn werde mit 7.000 Euro den "Raum der Stille" ausstatten, versprach Bürgermeister Johann Saathoff.

"Die Schule ist heute der zentrale Lebens- und Lernort der Jugendlichen", betonte Kruse. Alle Lebenskrisen der Heranwachsenden wie Prüfungsangst, Liebeskummer, eine mögliche Trennung der Eltern oder Ausgrenzung machten den Jugendlichen vor allem in der Schule zu schaffen. "Da ist es gut, wenn ein Ansprechpartner da ist, dem die Schüler vertrauen und der kein Lehrer ist", sagte die Diakonin. Ihre Vision sei, dass der geplante "Raum der Stille" ein "Ankerplatz der Seele" für die Schüler werde.

Der lutherische Landessuperintendent Detlef Klahr begrüßte das Projekt. In der Kirche gebe es zu viele klagende Stimmen über wegbleibenden Jugendliche, sagte er. Das Projekt zeige, wie junge Menschen mit ihren Fragen und Nöten heute erreicht werden können: "Es reicht nicht, über Kinderarmut und die Zukunftssorgen der Jugendlichen zu reden. Wir müssen da mit ihnen reden, wo sie sind."

Klahr forderte, die kirchliche Jugendarbeit an den Schulen zu verstärken und zu vernetzen. Besonders freue ihn, dass die Idee zur Kooperation aus der Kirchengemeinde gekommen und hartnäckig verfolgt worden sei, sagte der Regionalbischof.

Die Schule unterstütze das Projekt ausdrücklich, sagte Schulleiterin Ingrid Mensch. Das Angebot der Kirche bereichere das schulische Angebot.
Schüler, die ein Gespräch mit der Schulseelsorgerin suchten, seien vom Unterricht entschuldigt.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2313/25.08.08)
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