EDK-Ratsvorsitzender Huber in Gartow: Nicht vorschnell auf Atommüll-Endlager festlegen

Nachricht 23. August 2008

Gartow/Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, warnt davor, sich bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager auf den Salzstock Gorleben festzulegen. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Standortfrage geprüft werden muss, fair und transparent", sagte Huber am Sonnabend in Gartow im Wendland. Dabei müsse der Eindruck vermieden werden, dass schon im von vornherein entschieden sei, dass Gorleben der Standort ist.

Huber hatte sich in dem niedersächsischen Ort in der Nähe der Gorlebener Atomanlagen unter anderem mit der "Gartower Runde" getroffen, einem atomkritischen Bündnis aus Vertretern von Bürgerinitiativen, der Kirche, der Politik und Anwohnern. Der Berliner Bischof sprach sich gegen eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken aus. Diese würde das bisher ungelöste Problem der Endlagerung noch verschärfen.

Hintergrund des Gesprächs sei eine geplante Tagung des Bundesumweltministeriums im Herbst in Berlin über Anforderungen an eine sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle, sagte Anna Gräfin von Bernstorff aus Gartow. Die Gräfin, die auch Mitglied in der EKD-Synode ist, hatte den Bischof eingeladen.

"Wir wollen für eine Standortsuche werben, die auch Alternativen zu einem Endlager in Gorleben erkundet", erläuterte sie. An der Tagung werde auch der EKD-Umweltbeauftragte Hans Diefenbacher teilnehmen. Der Gartower Pastor Eckhard Kruse, der für die evangelische Kirche am Programm der Tagung mitarbeitet, betonte: "Das Problem der Atommülllagerung ist kein lokales Problem, sondern geht alle an."

Die evangelische Kirche hat sich bereits mehrfach gegen eine Festlegung auf den Standort Gorleben ausgesprochen. Im Februar 1977 hatte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) Gorleben als Standort für ein "Nukleares Entsorgungszentrum" benannt. Fast ebenso lange wird über die Eignung des dortigen Salzstocks als Atommüll-Endlager gestritten. Zwar ruht seit dem Jahr 2000 die Erkundung des Salzstocks. Doch Alternativen werden bis heute nicht geprüft.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2303/23.08.08)
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