Landesbischöfin weiht evangelisches Gymnasium in Nordhorn ein

Nachricht 23. August 2008

Hannover/Nordhorn (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat am Sonnabend das neue Evangelische Gymnasium Nordhorn in der Grafschaft Bentheim eingeweiht. In einem Festgottesdienst sagte Käßmann, sie sei beeindruckt davon, was hier in kurzer Zeit auf die Beine gestellt worden sei. Vom Verhandlungsbeginn bis zum Start der Schule habe es lediglich ein Jahr gedauert. Das Gymnasium startet nach eigenen Angaben aufgrund der hohen Anmeldezahlen mit 108 Schülern in vier Klassen im fünften Jahrgang.

Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) bezeichnete die Einweihungsfeier als "krönenden Abschluss eines leidenschaftlichen Einsatzes". Privatschulen seien "eine fruchtbare Bereicherung der bildungspolitischen Entwicklung" und keine unliebsame Konkurrenz für andere. Schülerinnen und Schüler bräuchten eine "Orientierung, die zutiefst verankert ist in unserer abendländischen Kultur und Demokratie". Das tragende Prinzip des Grundgesetzes, die Menschenwürde, habe seine Wurzeln in der Bibel, so die Ministerin.

Bischöfin Käßmann sagte, eine evangelische Schule sei nicht automatisch besser als andere Schulen: "Aber wir verstehen evangelische Schulen als ein Modell dafür, wie Schule aus christlicher Sicht gestaltet werden kann." Hier werde Wert darauf gelegt, dass die Jugendlichen sich mit religiösen Fragen auseinandersetzten, um ihre Identität zu entwickeln: "Es geht um ein Miteinander in Achtung und Nächstenliebe und darum, dass Werte und Ideale im täglichen Schulleben gelebt und vermittelt werden."

Die Schüler müssten lernen, eine eigene Meinung zu entwickeln und zu vertreten, sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche weiter: "Sie müssen verstehen, wer sie sind, wovon sie träumen, woran sie glauben und was sie wollen. Es geht um den ganzen Menschen, der gebildet wird." Eine ethische Position sei ohne ein religiöses Grundwissen nur schwer zu finden. Dazu gehöre auch das Wissen um den christlichen Glauben, der sich bis in das Grundgesetz hinein widerspiegele.

Mit dem Gymnasium Nordhorn hat die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers die Zahl der allgemein bildenden Schulen in ihrer Trägerschaft auf vier erhöht. Bis 2010 sind insgesamt sechs Schulen geplant. Nach dem niedersächsischen Schulgesetz darf die evangelische Kirche mit Finanzmitteln des Landes bis zu acht allgemein bildende Privatschulen errichten. Seit mehreren Jahrzehnten sind das Gymnasium Andreanum in Hildesheim und die Paul-Gerhardt-Schule in Dassel in evangelischer Trägerschaft. 2007 kam eine Grundschule in Wolfsburg hinzu. Insgesamt unterhalten die Landeskirche und ihre Diakonie mehr als 100 Schulen, überwiegend Förder-, Fach- und berufsbildende Schulen.

Das Evangelische Gymnasium Nordhorn soll nach Angaben von Schulleiter Friedrich Wilhelm Busch als offene Ganztagsschule geführt werden. Das evangelische Profil komme in Gottesdiensten, der Feier religiöser Feste und einem verpflichtenden Religionsunterricht bis zur zwölften Klasse zum Ausdruck, sagte er dem epd. Zudem sollten die Schüler schon früh Praktika in diakonischen Einrichtungen machen. Die Schule sei offen für alle Kinder unabhängig von ihrer Konfession oder Religion. Derzeit seien mehr als 80 Prozent der angemeldeten Kinder evangelisch.

Im Schulkonzept sind darüber hinaus die "besonderen pädagogischen Schwerpunkte einer Schule aus evangelischem Geist" formuliert. Dies seien etwa Ruhepunkte im Schulalltag, die Förderung nach individuellen Stärken, gemeinsame Mittagessen in den unteren Klassen oder der Unterricht in 90-Minuten-Einheiten. Mit dem Schulgeld von 45 Euro pro Monat sollten zusätzliche Angebote finanziert werden.

Die evangelische Oberkirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track kündigte an, dass die Landeskirche 2010 in Meine bei Gifhorn ihre fünfte allgemein bildende Schule eröffnen werde. Der Vertrag dafür sei vor vier Wochen unterzeichnet worden. Anmeldungen für diese Schule lägen bereits vor. Evangelische Schulen sollten "Lust auf Religion" machen und betonten Musik und Sport, sagte sie: "Bildung ist viel mehr als das, was die Wirtschaft braucht." Die Schüler sollten befähigt werden, Verantwortung für andere und die Umwelt zu übernehmen und mit wachem, offenen Blick durch ihr Leben zu gehen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2295/23.08.08)
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