Der erste Schultag ist für viele Familien ein zentrales Datum / Landeskirche: 250.000 Euro gegen Kinderarmut / Kirchenkreis Celle unterstützt 300 Kinder zum Schulstart

Nachricht 21. August 2008

Celle/Hannover (epd). Für Paul Johann gibt es seit Wochen kaum ein anderes Thema. Der Siebenjährige redet nur noch von seinem ersten Schultag, der am Sonnabend bevorsteht, erzählt sein Vater Jörg Kliewer: "Er freut sich riesig, aber meine Frau und ich sind auch ein wenig traurig. Man entlässt sein Kind ein Stück mehr in die Wirklichkeit." Wie für die Kliewers aus Nienhagen bei Celle, die mit rund 40 Verwandten und Freunden feiern wollen, ist der Schulanfang für viele Familien ein einschneidendes Datum.

In Niedersachsen kommen rund 79.000 Mädchen und Jungen in die erste Klasse, in Bremen sind es 3.900. Sie werden nicht nur in den Schulen feierlich begrüßt. Nahezu überall werden sie auch mit Gottesdiensten bei ihrem großen Schritt begleitet, sagt die Schuldezernentin der evangelischen Landeskirche Hannovers, Kerstin Gäfgen-Track: "Die Feiern werden ganz stark von Schulen und Eltern nachgefragt. Sie wünschen sich für diesen wichtigen Lebensabschnitt den Segen Gottes für ihr Kind."

Die Landeskirche hat im vergangenen Jahr für Schulen eine Arbeitshilfe zu mulitireligiösen Feiern veröffentlicht, bei denen neben evangelischen und katholischen Theologen manchmal etwa muslimische Geistliche eingebunden werden. In Nienhagen spricht auf Wunsch zweier Mütter erstmals ein Imam ein Grußwort und einen Gebetswunsch. Schon länger hat die Kirchengemeinde die Feier vom Tag der Einschulung auf den folgenden Montag verlegt, um den Andrang zu bewältigen. "Wir kriegten die Leute nicht unter. Es war voller, als am Heiligen Abend", sagt Pastorin Rena Seffers.

Auch die Schulen werden manchmal regelrecht überrannt. Längst begleiten nicht nur die Eltern und Großeltern die Schulanfänger. "Es kommen auch Paten und Freunde mit. Das ist ein großes Familienfest geworden", berichtet die Expertin für Kindertagesstätten im Kirchenkreis Celle, Edelgard Schiemann.

Der Schulanfang sei eine Schwellensituation, weiß Gäfgen-Track: "Es wird gesehen, wie entscheidend die Schule für den weiteren Lebensweg der Kinder ist, das schafft auch Druck." Mit der Bedeutung des Datums stiegen auch die Erwartungen, sagt Schiemann. "Meistens herrscht freudige Spannung. Aber durch die Bildungsdebatte ist zum Beispiel die Bereitschaft gesunken, das Kind vielleicht noch ein Jahr länger im Kindergarten zu lassen."

Auch die Geschenke fallen immer üppiger aus, obwohl sich das längst nicht alle leisten können. "Die einen haben einen neuen Ranzen und eine gut gefüllte Schultüte, den anderen fehlt das Geld für die elementare Erstausstattung", sagt die hannoversche Landesbischöfin, Margot Käßmann. Berichte aus Kindertagesstätten und von Schulanfängergottesdiensten darüber, dass viele Kinder schon beim Schulstart sichtbar benachteiligt seien, bedrückten sie sehr.

Die Landeskirche in der fördert zurzeit mehr als 50 Projekte in ihrer Kampagne "Zukunft(s)gestalten", die allen Kindern eine Chance eröffnen will, 33 dieser Initiativen unterstützen Schulanfänger. Allein der Kirchenkreis Celle hat Schulmaterial im Wert von 15.000 Euro an 300 Familien ausgegeben. "Bildung ist der Schlüssel zur Überwindung von Armut auch in unserem Land", betont Käßmann. "Dringend müssen sich die politischen Bedingungen ändern, damit ein guter Schulstart für alle Kinder gelingen kann."

Bei Familie Kliewer gilt, große Geschenke gibt es für Paul Johann nicht. Auch die Schultüte bastelt seine Mutter lieber selbst, sagt Jörg Kliewer: "Es muss eine Wilde-Kerle-Tüte sein." Für den Zweitältesten von vier Kindern stehe aber anderes im Vordergrund: "Es wurmt ihn, dass seine Schwester schon rechnen kann und er nicht. Er will endlich zu den Großen gehören."

Karen Miether (epd)

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Landeskirche: 250.000 Euro gegen Kinderarmut

Hannover (epd). Die hannoversche Landeskirche fördert mit bisher rund einer Viertel Million Euro Projekte gegen Kinderarmut. Die in diesem Sommer gestartete Kampagne "Zukunft(s)gestalten - Allen Kinder eine Chance", sei gut angelaufen, sagte Sprecher Johannes Neukirch am Donnerstag dem epd. Von mehr als 50 Initiativen wendeten sich 40 an Schüler, 33 von ihnen unterstützten gezielt Schulanfänger mit Starterpaketen.

Die Landeskirche stockt mit den Fördermitteln vor Ort eingeworbenes Geld auf. Bis Anfang August legte sie dabei für jeden Euro einen weiteren dazu, später sollen drei Euro Eigenmittel mit je einem Euro gefördert werden. Insgesamt stellt die Landeskirche bis 2010 eine Million Euro zur Verfügung. Träger der Projekte sind vor allem Kirchengemeinden und Kirchenkreise in Zusammenarbeit mit Vereinen, Kommunen oder Institutionen.

Landesbischöfin Margot Käßmann hatte im Juli die Kampagne vorgestellt.
Es bedrücke sie sehr, dass viele Kinder schon beim Schulstart sichtbar benachteiligt seien, sagte Käßmann dem epd: "Bildung ist der Schlüssel zur Überwindung von Armut auch in unserem Land." Die politischen Bedingungen müssten sich ändern, "damit ein guter Schulstart für alle Kinder gelingen kann".

Rund 79.000 Erstklässler werden in dieser Woche in Niedersachsen eingeschult. Die Landeskirche geht davon aus, dass die Eltern mindestens jedes sechsten Kindes Probleme haben, ihren Kinder die nötige Ausstattung zu finanzieren. An Schulen gehören den Angaben zufolge Hausaufgabenhilfe, Mittagstische oder das Schulfrühstück zu weiteren Projekten. Gefördert werden unter anderem ein Patenprojekt, Tafeln oder Kinderfreizeiten. Insgesamt richteten sich in der Landeskirche mehr als 70 Projekte gegen Kinderarmut.

Internet: www.zukunftsgestalten.de


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Kirchenkreis Celle unterstützt 300 Kinder zum Schulstart

Celle (epd). Der evangelische Kirchenkreis Celle hat zum neuen Schuljahr 300 Kinder mit individuell zusammengestellten Schulstarterpaketen ausgestattet. Die Hilfe wende sich an Kinder, deren Eltern aufgrund von Arbeitslosigkeit große Probleme hätten, das nötige Schulmaterial zu bezahlen, teilte ein Sprecher am Donnerstag mit. Der Kirchenkreis habe dafür insgesamt 15.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Aktion werde von der hannoverschen Landeskirche gefördert, die in ihrer Kampagne "Zunkunft(s)gestalten" Projekte gegen Kinderarmut unterstützt.

Der Warenkorb einer von Hartz IV lebenden Familie sehe 1,76 Euro im Monat für Schulbedarf vor, sagte Andrea Prodöhl von der evangelischen Beratungsstelle für Arbeitslose in Celle. "Das ist eine Schande für unsere Gesellschaft, in der die Bildung ja die Voraussetzung für ein eigenverantwortliches Leben ist." Der Celler Superintendent Hans-Georg Sundermann kündigte an, er wolle Politiker vor Ort direkt auf die Not vieler Familien aufmerksam machen: "Wir brauchen eine stärkere Lobby für das Thema Bildung im Allgemeinen und die benachteiligten Kinder im Besonderen."

200 Kinder haben den Angaben zufolge Hefter, Tuschkästen, Scheren und weitere Artikel im Wert von je 60 Euro bekommen, die nach Listen der Grundschulen für Schulanfänger zusammengestellt wurden. Für weitere 100 Kinder wurden Arbeitshefte angeschafft sowie 60 Ranzen weitergegeben.
Für die Aktion hätten Schulen, Kindergärten und Kirchengemeinden zusammengearbeitet. Einzelhändler und Spender hätten das Projekt unterstützt.

Internet: www.kirche-celle.de, www.zukunftsgestalten.de


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