Hannover Vorreiter in religiöser Früherziehung

Nachricht 21. August 2008

Hannover (epd). Die Diakonie der hannoverschen Landeskirche hat nach eigenen Angaben als erste Einrichtung in Deutschland ein Konzept für die religiöse Früherziehung von Krippenkindern entwickelt. Dabei gehe es weniger um religiöse Inhalte, sagte Ralf Rogge vom Religionspädagogischen Institut Loccum am Mittwoch bei der Präsentation in Hannover. Ziel sei es vielmehr, den Babys und Kleinkindern frühe positive Erfahrungen durch Körperkontakt, Rituale und Geschichten zu vermitteln. Kinder lernten mit allen Sinnen und könnten so innere Bilder von Geborgensein entwickeln.

Die hannoversche Landeskirche hat in ihren 595 Kindergärten zwischen Hann. Münden und Cuxhaven in diesem Jahr 1.000 neue Krippenplätze geschaffen, für die sie insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat, sagte Diakonie-Referatsleiterin Regina Struwe. In ganz Niedersachsen sollen bis 2013 rund 54.000 Plätze für 35 Prozent der unter Dreijährigen entstehen. Zurzeit liege das Bundesland mit Krippenplätzen für acht Prozent der Kleinkinder am unteren Ende aller Länder. Der bundesweite Durchschnitt betrage 18 Prozent.

Die Fachausbildung für Erzieherinnen in Deutschland konzentriere sich immer noch auf das Kindergartenalter von drei Jahren an, sagte Struwe. Krippenkinder würden bisher nicht berücksichtigt. In diesem Alter gehe es vor allem darum, dass die Kinder Vertrauen zu ihren Beziehungspersonen aufbauten. Professionelle Erzieherinnen brauchten deshalb ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, aber auch ein fundiertes Fachwissen in Entwicklungspsychologie und Elementarpädagogik.

Mit dem Konzept "Gott in der Krippe. Religiöse Bildung von Anfang an" wolle die Diakonie ihre Fachkräfte für diese Aufgabe fit machen, sagte Struwe. Die Anforderungen im Alltag seien hoch, denn die gesetzlichen Vorgaben sähen lediglich eine Erzieherin für sieben bis acht Krippenkinder vor, die gewindelt, gefüttert, an- und ausgezogen und betreut werden müssten. Im europäischen Standard käme eine Erzieherin dagegen nur auf drei Kinder.


(epd Niedersachsen-Bremen/b2252/20.08.08)
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