Vom Traualtar bis zum Nordkap - Olympia-Armbänder finden reißenden Absatz

Nachricht 20. August 2008

Hannover (epd). Verena Weishaupt und Clemens Türck sind begeistert: "Das ist unser Trauspruch auf den Armbändern." Das Paar aus Ravensburg, das am 30. August heiraten will, hat 100 der schwarzen Silikon-Armbänder mit dem Psalmwort "...dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen" bei der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers bestellt. Ende März hatte Landesbischöfin Margot Käßmann die ersten Armbänder für eine Aktion zu den Olympischen Spielen bedrucken lassen. Sie sollen ein Zeichen für mehr Menschenrechte in China setzen - und finden auch abseits von Olympia reißenden Absatz.

Zunächst sollten nur gut 2.000 schwarze Armbänder mit der biblischen Vision an Sportler und Interessierte verteilt werden. Die Nachfrage war aber riesig. Mehr als 235.000 Bänder hat die Koordinatorin der Aktion, Corinna Kuschel, inzwischen gegen eine Spende in alle Welt verschickt. Auch Anja Wehr und ihr Verlobter aus Neulußheim bei Mannheim wollen die Armbänder an ihre ganze Hochzeitsgesellschaft verteilen. "Das Thema wird in unseren Traugottesdienst eingebunden", schreibt Wehr an die Landeskirche. Hunderte solcher Emails stapeln sich in Kuschels Büro. "Die Reaktionen sind sehr positiv", sagt sie.

"Von diesen Aktionen müsste die Kirche allgemein viel mehr ins Leben rufen", schreibt Micheal Amann aus Wallerfangen im Saarland. Diese Form des Protestes könne in der Gesellschaft etwas bewirken. Dass die Armbänder die Menschenrechtslage direkt ansprechen, findet auch Klemens Ludwig aus Weiler bei Bingen am Rhein: "Ich danke Ihnen für Ihren Mut, den unsere Politiker nicht mehr haben."

Aktive Sportler loben, dass das Armband auch beim Training und Wettkampf getragen werden kann. "Ich würde gerne meine Überzeugung auch in meinem Fußballclub zum Ausdruck bringen. T-Shirts kann ich dort nämlich nicht tragen, wegen der Trikots", schreibt Mike Bienholz aus Berlin. Die Turnergruppe des rheinland-pfälzischen Sportzentrums Brohltal stellt klar: "Geschlossen wollen wir an dieser Protest-Aktion teilnehmen, die im Gegensatz zu vielen anderen vorgeschlagenen Aktionen in keiner Weise die Olympischen Spiele selbst in Frage stellt. Dies halten wir für besonders wichtig."

Das Eintreten für die Menschenrechte solle nicht nur auf China und Tibet begrenzt sein, fordern einige Absender. Die Kirche müsse auch die Menschenrechtslage im Sudan und Menschenrechtsverletzungen in demokratischen Staaten ansprechen: "Die USA haben Menschenrechte weltweit mit Füßen getreten, Guantanamo ist ein Beispiel für sich. Wo bleibt unser Protest gegen die USA, die in der Welt Kriege führen und zu Hause Rassismus und Hinrichtungen an den Tag legen?"

Sogar das Deutsche Sport- und Olympia-Museum in Köln hat das Armband für "Sammlungs- und Dokumentationszwecke" angefordert. "Die Idee dieses friedlichen Protestes finde ich wert, im wahrsten Sinne des Wortes 'mitgetragen' zu werden", fasst Michael Hutt aus Sindelfingen zusammen. Einige Protest-Armbänder werben an fernen Orten für die Vision. So berichet Pastor Ele Brusermann aus Weyhe-Leeste, dass er ein schwarzes Armband am Tag der Olympia-Eröffnung bis an das Nordkap gebracht hat. "Ich habe es einfach da gelassen, es hängt in luftiger Höhe am Fuß einer Kugel, an der sich alle Leute fotografieren lassen."

Thomas Paterjey
(epd Niedersachsen-Bremen/b2225/20.08.08)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen