Werkstätten: Kaum Chancen auf Arbeit für Behinderte

Nachricht 19. August 2008

Hildesheim (epd). Für Behinderte gibt es nach Ansicht des Geschäftsführers der Pro-Werkstätten Hildesheim, Jörg Plehn, kaum noch Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. "Ihre Aussichten auf einen normalen Arbeitsplatz sinken gegen Null", sagte Plehn am Montag in Hildesheim. Die Pro-Werkstätten sind ein Tochterunternehmen der Diakonie Himmelsthür, der größten Einrichtung in Niedersachsen für Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen.

Durch "Leistungsverdichtung" und "wachsenden Druck auf die Mitarbeiter" habe sich die Lage auf dem ersten Arbeitsmarkt deutlich gewandelt, sagte Plehn. Nischenarbeitsplätze mit einfachen, überschaubaren Aufgaben seien in großem Umfang vernichtet worden.

So seien viele Menschen mit Behinderungen vor zehn Jahren noch als Reinigungskräfte beschäftigt gewesen. Heute beauftragten die Unternehmen lieber externe Firmen mit diesen Aufgaben. Auch im Verpackungsbereich seien Behinderte einst gerne eingesetzt worden. "Inzwischen werden die Jobs in Billig-Lohn-Ländern erledigt", bemängelte Plehn.

Durch diese Entwicklung sieht der 48-Jährige die Ziele und Aufträge der Werkstätten für behinderte Menschen gefährdet, ihre Beschäftigten auf den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln und ihnen so die Teilhabe an einem normalen Leben zu ermöglichen. Bei den bundesweit rund 700 Werkstatt-Trägern mit ihren 270.000 Beschäftigten liege die Vermittlungsquote durchschnittlich bei nur 0,24 Prozent, sagte Plehn. In den Pro-Werkstätten Hildesheim sei die Quote sogar noch niedriger.

Eine mögliche Perspektive für die Träger sieht Plehn in der Gründung eigener Integrations-Unternehmen mit behinderten und nicht behinderten Beschäftigten. Eine weitere Möglichkeit seien ausgelagerte Arbeitsplätze. Behinderte Beschäftige könnten in fremden Betrieben arbeiten, würden aber weiterhin von den Trägern der Werkstätten bezahlt und versichert. "Der Betrieb verpflichtet sich zu nichts, hat jedoch die Option, den Beschäftigten fest einzustellen, wenn er sich bewährt", sagte Plehn.


(epd Niedersachsen-Bremen/b2218/18.08.08)
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