Studie: Psychische Probleme bei Kindern durch Armut

Nachricht 13. August 2008

Hannover (epd). Immer mehr Kinder und Jugendliche haben neuen wissenschaftlichen Studien zufolge psychische Probleme. Etwa jeder fünfte Heranwachsende sei verhaltensauffällig, sagte der hannoversche Diakoniepastor Hans-Marton Joost am Mittwoch vor Journalisten in Hannover. Die Untersuchungen zeigten, dass es deutliche Zusammenhänge zwischen der wirtschaftlichen Situation der Familie und den Problemen der Kinder gebe: "Armut hinterlässt blaue Flecken auf Kinderseelen." Bundesweit lebten rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche in armen Familien.

Die negativen Auswirkungen auf die seelische Entwicklung seien vielfältig, sagte der Leiter des Evangelischen Beratungszentrumsin Hannover, Axel Kreutzmann. Besonders häufig seien Ängste, Aggressionen, Depressionen und Leistungsstörungen. Hinzu kämen psychosomatische Symptome wie Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder Essstörungen.

Diese Kinder gerieten in einen Teufelskreis, betonte der Psychologe: "Ihr auffälliges Verhalten, oft gepaart mit geringem Selbstbewusstsein, macht sie immer mehr zu Außenseitern." Wenn sie merkten, dass sie ohnehin am Rande jeder Gruppe stünden, verhielten sie sich noch auffälliger, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Eltern seien aufgrund ihrer eigenen Probleme meist nicht in der Lage, ihren Kindern zu helfen. Sie fühlten sich schuldig, unsicher und hilflos. Viele trauten sich nicht, ihren Kindern Grenzen zu setzen.

Das Risiko psychischer Erkrankungen von Kindern steige um das Vierfache, wenn die Konflikte in den Familien ungelöst blieben, sagte Kreutzmann. Für viele Eltern sei jedoch die Hemmschwelle zu groß, sich beraten zu lassen. Deshalb gingen die Lebensberater jetzt gezielt in die Kindergärten. Erste Erfahrungen zeigten, dass durch Gesprächsgruppen die Erziehungskompetenz der Eltern gestärkt werden könne. Sie lernten dabei, Probleme innerhalb der Familie besser zu lösen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2192/13.08.08)
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