Kunsthistoriker erforschen Glasmalerei in Niedersachsen

Nachricht 05. August 2008

Hannover (epd). Wissenschaftler aus Freiburg im Breisgau wollen in den kommenden Jahren erstmals den gesamten Bestand an historischen Glasmalereien in Niedersachsen erforschen. Im Jahr 2012 soll dazu ein auf 700 Seiten angelegter Dokumentationsband erscheinen, sagte der Leiter des Forschungsprojektes "Corpus Vitreanum", Hartmut Scholz, am Dienstag vor Journalisten in Hannover. Scholz und sein Team untersuchen derzeit in Hannover die Chorfenster der evangelischen Marktkirche, die zu den wichtigsten Glasmalereien des Landes gehören.

Insgesamt wollen die Forscher 340 historische Glasscheiben an 35 Standorten unter die Lupe nehmen, unter ihnen die Marktkirche in Goslar, die Heilig-Geist-Kapelle in Uelzen, das Kloster Amelungsborn bei Holzminden, die St.-Sixti-Kirche in Northeim sowie Glasmalereien im Braunschweiger Herzog Anton Ulrich Museum. Die Bestände werden fotografiert und auf ihren Erhaltungszustand untersucht. Kunsthistoriker werten die Bildprogramme aus und ermitteln durch historische Forschungen die Künstler und ihre Auftraggeber. Ein erster Band über Lüneburg und die Heideklöster erschien bereits 1992.

Die bedeutendste mittelalterlichen Glasmalerei des Landes findet sich nach Angaben der Kunsthistorikerin Elena Kozima in der Stiftskirche in Bücken bei Nienburg: "Das sind die einzigen komplett erhaltenen Chorfenster aus der Mitte des 13. Jahrhunderts." Christus-Darstellungen, die zur Messliturgie in Beziehung gesetzt sind, werden hier von Heiligenlegenden umrahmt. Niedersächsische Glaskunst-Werkstätten hätten im Mittelalter eine große Rolle gespielt, erläuterte Kozima. Künstler aus dieser Region hätten von Hessen bis nach Skandinavien gewirkt.

Die Fenster in der Marktkirche seien "eine ganz hochkarätige Arbeit" aus der Zeit zwischen 1410 und 1420, erläuterte die Kunsthistorikerin.
Sie zeigten einen feinen und ausgefallenen Stil. Kunsthistorisch ließen sich drei bis vier verschiedene Werkstätten unterscheiden. Die Scheiben seien jedoch in einem schlechten Erhaltungszustand. Mehrere Restaurierungen mit nachträglich eingesetzten Glasstücken seien noch erkennbar. Erhalten sind Teile von drei Fenstern, die überwiegend Heiligenlegenden zeigen.

Das internationale Projekt Corpus Vitreanum will langfristig die mittelalterlichen Glasmalerei-Bestände in ganz Deutschland untersuchen.
Der erste Dokumentationsband erschien bereits 1958, zahlreiche weitere folgten ab den achziger Jahren. "Von den geplanten 40 Bänden ist die Hälfte geschafft", sagte Leiter Hartmut Scholz. Die Kosten des Projektes werden jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land Baden-Württemberg getragen.

Internet: www.cvma-freiburg.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b2132/05.08.08)
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