Seemannsmission warnt vor Verharmlosung der Piraterie

Nachricht 04. August 2008

Bremen/Rostock (epd). Die Deutsche Seemannsmission hat anlässlich der "Hanse-Sail-2008" in Rostock vom 7. bis 10. August vor der Verharmlosung der Piraterie auf den Weltmeeren gewarnt. Zum Treffen der rund 250 Traditionssegler und Museumsschiffe im Rostocker Hafen sei auch wieder ein Piratendorf für Kinder errichtet worden. "Wir wollen den Kindern nicht den Spaß an Abenteuerspiel nehmen aber moderne Piraterie ist kein Kavaliersdelikt. Da geht es um Menschenleben", sagte der Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission, Hero Feenders, am Montag in Bremen dem epd.

"Piraterie wird immer brutaler", betonte Feenders. Seit Januar seien weltweit mehr als 70 Schiffe geentert, zwölf entführt und elf beschossen worden. Dabei gerieten rund 190 Seeleute in Geiselhaft, sechs wurden entführt und sieben getötet. Sieben weitere Seemänner werden derzeit vermisst. Besorgniserregend sei die Tendenz vieler Reeder, Überfälle aus Angst vor steigenden Versicherungsprämien nicht mehr zu melden.

Feenders forderte, internationaler Vereinbarungen gegen die Piraterie müssten eingehalten werden. Das "International Maritime Bureau" in London, eine Spezial-Abteilung der Internationalen Handelskammer, schätze den wirtschaftlichen Schaden durch Piraterie allein für das vergangene Jahr auf mehr als 13 Milliarden Euro. Dabei dürfte sich den Schätzungen zufolge die Summe noch einmal um rund 50 Prozent erhöhen, weil viele Überfälle nicht gemeldet werden.

Feenders rief die Schiffsleitungen, Reeder und Eigner auf, nach einem Überfall Kontakt zu den Stationen der Seemannsmissionen aufzunehmen. Ein Angriff von Piraten sei ein traumatisches Erlebnis, das behandelt werden müsse. In den Seemannsmissionen gebe es geschultes Personal für eine "seelische Erste-Hilfe".

Während des 32. Evangelischen Kirchentages im Mai kommenden Jahres in Bremen werden die Seemannsmission an Bord des Museumsschiffs "Cap San Diego" ihre Arbeit vorstellen. Zur Deutschen Seemannsmission zählen 17
Auslands- und 16 Inlandsstationen. Schwerpunkte der Arbeit seien neben Bordbesuchen Freizeitangebote in den Clubs der Seemannsmission sowie soziale Arbeit und Seelsorge, sagte Feenders.

Im Ausland arbeitet das Werk in der Regel mit den Heimatkirchen vor Ort zusammen. In Clubs und Heimen können Seeleute über Telefon und Internet Kontakt mit der Heimat aufnehmen. Im Inland finanzieren größtenteils kirchliche Zuschüsse und freiwillige Schiffsabgaben der Reeder die Arbeit.

Internet: www.seemannsmission.org

Niedersachsen-Bremen/b2124/04.08.08)
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