Tarifpartner der Diakonie einigen sich auf Schlichtung

Nachricht 13. Juli 2008

Hannover/Bremen (epd). Unter der Moderation des VW-Tarifexperten Gerd Kuhlmeyer haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Diakonie im laufenden bundesweiten Tarifkonflikt auf einen Schlichtungsvorschlag geeinigt. Die Löhne und Gehälter sollten bis 2010 in Stufen angehoben werden, sagte Arbeitnehmervertreter Christoph Fantini nach einer zehnstündigen Verhandlungsrunde in Hannover am Sonntag dem epd. Die paritätisch besetzte sogenannte Arbeitsrechtliche Kommission des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) muss dem Vorschlag noch zustimmen.

Wenn das geschieht, gibt es Fantini zufolge ab 1. August 1,6 Prozent mehr Geld. Für die unterste Lohngruppe wurde ein Plus von 50 Euro vereinbart. Im September sollen zudem für alle Beschäftigten einmalig 400 Euro gezahlt werden. Ab Mai kommenden Jahres steigen die Löhne und Gehälter in den unteren Gruppen um 2 Prozent, bei mittleren Einkommen um 3,6 Prozent und den höheren um 4 Prozent. 2010 folgen noch eine Einmalzahlung in Höhe von 100 Euro und eine weitere Steigerung um 2,3 Prozent.

Der Vorschlag für einen Tarifabschluss auf Bundesebene gilt laut Fantini für etwa 150.000 Beschäftigte. Die Arbeitnehmer hatten zu Beginn der Verhandlungen im März rückwirkend zum Januar eine Lohn- und Gehaltssteigerung von acht Prozent gefordert, mindestens aber einen Sockelbetrag von 200 Euro mehr. Vor diesem Hintergrund habe die Schlichtung "ein sehr unbefriedigendes Ergebnis" gebracht, sagte Fantini, der Mitglied der Arbeitsrechtlichen Kommission ist und beim Verein für Innere Mission in Bremen beschäftigt ist.

"Die höchsten Gruppen profitieren am meisten und der Abschluss ist auf drei Jahre gestreckt." Als "ziemliche Härte" bezeichnete es Fantini, dass die Pflegezulage in Höhe von 80 Euro für Pflegehelferinnen und -helfer in den nächsten Jahren kontinuierlich gekürzt werden und 2015 dann ganz verschwinden soll. In den Gesprächen sei "nicht mehr drin gewesen", räumte Fantini ein. Die Arbeitnehmerseite habe nur zugestimmt, um noch massivere Abstriche durch die Arbeitgeber zu verhindern. Ein Vertreter der Arbeitgeberseite war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände verhandeln den Tarif für ihre Beschäftigten in eigenen Gremien. Gewerkschaften wie ver.di sind daran nicht beteiligt. In der Diakonie sind bundesweit rund 420.000 Arbeitnehmer beschäftigt. Sie arbeiten in Einrichtungen der Altenhilfe, der Wohnungslosenhilfe, bei Hilfen für psychisch kranke und geistig behinderte Menschen sowie verschiedenen Beratungsstellen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1990/13.07.08)
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