Landesbischöfin äußert Verständnis für Angst vor Pflegeheimen

Nachricht 10. Juli 2008

Köln/Hannover (epd). Mängel in der Pflege und unzureichende Angebote zur Schmerztherapie sind nach Einschätzung der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann wesentliche Gründe für den verbreiteten Wunsch nach Sterbehilfe. Ängste vor einem leidvollen Sterben seien angesichts der Situation in Pflegeheimen "sicher in Teilen berechtigt", räumte Käßmann am Mittwoch in der ARD-Fernsehsendung "hart aber fair" ein. Aktive Sterbehilfe zu erlauben, sei aber keine Lösung.

Käßmann kritisierte die Suizidbegleitung einer 79-Jährigen durch den Hamburger Ex-Senator Roger Kusch und dessen öffentliche Stellungnahmen dazu. Sterbebegleitung brauche Zeit, Geduld und Liebe. Es mache sie "abgrundtief traurig", dass so reißerisch mit einem Leben umgegangen worden sei.

Kusch warf der Bischöfin in der Sendung vor, mit ihrer Haltung die "Autonomie des Einzelnen" infrage zu stellen. Sie erwecke den Eindruck, die christliche Religion habe ein Patenrezept für die Probleme der Menschen am Lebensende. Maßgeblich für ihn bei seinem Angebot zur Sterbehilfe sei "Respekt vor den Maßstäben meines Mitmenschen".

Der Arzt Uwe-Christian Arnold, stellvertretender Vorsitzender der Sterbehilfeorganisation "Dignitate", verteidigte die Angebote seines Vereins wie auch Kuschs Handeln. Der Ex-Senator habe provoziert, doch nur mit Provokation sei etwas zu erreichen, sagte Arnold. Um die Situation in der Pflege zu verbessern, müssten die Kontrollen verstärkt werden. Zugleich mahnte Arnold eine bessere Ausbildung von Ärzten in der Schmerzmedizin an.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) hält es für notwendig, Sterbehilfeorganisationen wie den Verein Kuschs und "Dignitate" in Deutschland zu verbieten. "Der Staat ist zur Fürsorge verpflichtet", sagte Merk. Aktive Sterbehilfe zu erlauben, lehnte sie strikt ab. "Das übt Druck auf alte Menschen aus", sagte die Politikerin. Stattdessen müsse der Tod wieder in die Gesellschaft hineingeholt und Angst vor dem Sterben abgebaut werden.


(epd Niedersachsen-Bremen/b1966/10.07.08)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen