Prämierungsfeier zum Abschluss des Schülerlandeswettbewerbes „Geheiligte Räume“

Nachricht 10. Juli 2008

Was interessiert Sie an „geheiligten Räumen“ und welche Rolle spielen sie in Ihrem Leben? Was bedeutet heilig / geheiligt / sakral? Gibt es vielleicht auch „unkirchliche“ Räume, die trotzdem als „geheiligt“ empfunden werden? Mit diesen und anderen Fragestellungen richtete sich der fünfte Schülerlandeswettbewerb an Jugendliche, die an niedersächsischen Gymnasien, Gesamtschulen oder Fachgymnasien die Oberstufe besuchen.

Über 300 Schülerinnen und Schüler reichten zum Wettbewerbsthema „Geheiligte Räume“ als Gruppen- oder Einzelbeitrag eine Projektarbeit in Form eines Portfolios ein. Sie bewarben sich damit um den Preis der Konföderation der evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen.

Am 7. Juli 2008 fand die Abschlussfeier in der Marktkirche in Hannover mit Prämierung der neun besten Beiträge statt. „Jedes der eingereichten Portfolios spiegelt einen Zugang, eine besondere Auseinandersetzung mit dem vorgegebenen Thema wider. Und es ist wirklich schade, dass wir nicht alle Ergebnisse präsentieren können.“ Mit diesen Worten würdigte Professor Friedhelm Kraft (Rektor des Religionspädagogischen Instituts Loccum) die Qualität der eingegangenen Beiträge. Er dankte seiner ehemaligen Mitarbeiterin Bärbel Husmann für die Konzeption des Wettbewerbs. Zudem hob er die Hanns-Lilje-Stiftung hervor: „Sie hat diesen Wettbewerb mit ihrer großzügigen Unterstützung überhaupt erst ermöglicht.“

Begeistert über die Qualität und Themenvielfalt der Arbeiten zeigte sich auch der Koordinator des Schülerlandeswettbewerbs, Pastor Dirk Bischoff: „Die Spanne der behandelten Fragestellungen reichte von Kirchen oder Andachtsstätten als geheiligte Räume, über Fußballstadien, Denkmäler bis hin zu Diskotheken, Shopping-Meilen oder Fitness-Centern.“

Was für Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann das Entscheidende eines geheiligten Raumes ist, verdeutlichte sie im Rahmen ihrer Laudatio-Rede zu den drei Sonderpreisen: „Für mich sind Kirchen, Gotteshäuser geheiligte Räume, weil wir in ihnen etwas spüren vom Heiligen, von Gott, von Gottes Geist. Heilig ist nur Gott, geheiligt die Menschen und Orte, in denen sein Geist wohnt, der uns mit ihm in Verbindung bringt.“ Käßmann empfindet Kirchen als Räume gegen das Chaos: „Alles hat eine Ordnung, in die ich mich hineinbegeben kann, die ich nicht selbst gestalten muss wie sonst alles in meinem Leben. Hier ist Ruhe vorgegeben, hier kommt Erinnerung, Anhalten vor Gott und die daraus wachsende Hoffnung für mein Leben zusammen.“

Beeindruckt zeigte sich Käßmann, wie die Jugendlichen der Frage nach Geheiligten Räumen nachgingen. Dass sie häufig ein ganz eigenes Verständnis von „geheiligt“ haben, dokumentierte Randi Ramme aus Oyten in ihrer Arbeit mit dem Titel: „Jugendliche auf der Suche nach neuen geheiligten Räumen“. Die Beziehung zwischen Kunst und Kirche untersuchte Tobias Erbert vom Gymnasium Osterholz-Scharmbeck. Ihnen wurde für die Leistung ebenso ein Sonderpreis in Höhe von 200 Euro übergeben, wie Henrike Bittermann aus Uslar. Ihr Fokus lag auf der Fragestellung, ob auch Theater so etwas wie geheiligte Räume sein können.

Ein ganz anderes Thema verfolgte eine Schülergruppe vom Gymnasium Johanneum aus Lüneburg (Anna-Katharina Bock, Sophie C. Hagemann, Elisabeth Hohensee, Hanna Niebergall, Maria-Katarina Wüstmann). Für sie war der Wettbewerb ein willkommener Anlass zu einem Projekt, an der eigenen Schule einen Raum der Stille einzurichten. Es sollte zum häufig so lauten Schulalltag ein Raum der Ruhe und Erholung geschaffen werden. Ralf Tyra (Hanns-Lilje-Stiftung) würdigte die hervorragend gelungene Dokumentation dieses Projektes. Auch wenn die Jugendlichen ihr Vorhaben aufgrund verschiedener Schwierigkeiten noch nicht umsetzen konnten, so war die Freude umso größer, dass ihr Gruppenbeitrag mit dem ersten Preis und einem Preisgeld von 600 Euro gewürdigt wurde.

In der Kategorie Einzelbeiträge erhielt die Janka Witte aus Osnabrück den ersten Preis. Ihre Arbeit gleicht einer Antwort-Reise auf die Frage: Welche besondere Atmosphäre macht eine Kirche zu einem geheiligten Raum? Inspiriert von den Eindrücken einer Autobahnkirche an der A 31 entwirft sie konkrete Ideen zur Umgestaltung der Osnabrücker Kreuzkapelle. Der Laudator, Dr. Jürgen Fitschen (Vorsitzender des Kuratoriums der Hanns-Lilje-Stiftung) leitete aus den Erkenntnissen dieser Arbeit ein wichtiges Plädoyer ab: „Kirchenräume müssen gestaltet werden. Die Sinnlichkeit des Raumes und der in ihm befindlichen Objekte sind nicht lediglich Funktionsgegenstände, deren Einfachheit und Formlosigkeit in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrer zeichenhaften Bedeutung stehen. Gemeinden müssen sich für die vielfältigen Gestaltungsaufgaben sensibilisieren, die der Kirchenraum und seine Ausstattung selbst bereithalten.“


Alle Preisträgerinnen und Preisträger des Schülerlandeswettbewerbs im Schuljahr 200/08 finden Sie hier >> siehe unten: Downloads